Freitag, 30. September 2016

Room Escape (Live-Spiel)

ESCAPE Berlin: Sherlock Holmes

❞Nun geh' endlich auf!❝


Mehr zu Room Escape (oder Escape Room?) Games hier.

Natürlich wird nichts über tatsächliche Rätsel und Lösungen erzählt. Bin ja kein Spaßverderber.


Die Story

Sherlock Holmes ist aus seiner Wohnung verschwunden, obwohl diese unter Polizeibeobachtung stand. Wie hat er das gemacht und an welchem Fall hat er gerade wohl gearbeitet? Man hat eine Stunde Zeit, die Wohnung zu durchsuchen.


Das Ambiente

Der Spielort (angeblich der größte Europas) war nicht leicht zu finden: Steigt man nicht aus dem richtigen Ausgang der vier möglichen der S-Bahn-Station und schaut dann nicht in die richtige Richtung, wird es schwierig. Keine Außenwerbung (jedenfalls im Sommer 2016), nur der Hinweis auf "Frauenfitness". Per Fahrstuhl geht es in ein (tatsächlich riesiges) Stockwerk eines großen Bürogebäudes. Flure und Empfangsraum sahen großzügig und sauber, aber unfertig aus, der Aufenthaltsraum ist größer als die meisten Komplett-Räume anderer Anbieter und bequem und mit toller Aussicht auf das Velodrom, aber völlig ohne Atmosphäre.

Warteraum – pfiffig aus Paletten gemacht, aber langweilig
(wird sich ja vielleicht noch ändern).
Der Sherlock-Spielraum verbirgt sich hinter einer unscheinbaren Tür. Beworben wird er mit "authentischer Nachbau", was aber überflüssiger Quatsch ist: Die Räumlichkeiten der Baker Street 221B sind kaum durch die Illustrationen der Holmes-Erstauflagen definiert und in den Texten noch weniger. Dafür wird man mit einem recht großen Anfangsraum belohnt, der wunderschön möbliert ist und dessen Boden und Wände tatsächliches Feeling des 19. Jahrhunderts aufkommen lassen. Leider ist es es schummrig dunkel, die Deckengestaltung passt nicht so toll (aber wer schaut da schon hin?) und ein riesiger Bruch sind die Türen, die einfache, aktuelle Baumarktware mit ebensolchen Klinken und Schlüsseln darstellen. Wären es doch wenigstens die auf alt getrimmten, verschnörkelten Klinken und hätte man durch das Anbringen von Leisten Kassettentüren simuliert, ich hätte mich nicht beklagt.

Egal, der stimmige Eindruck überwiegt, denn die meisten Ausstattungsgegenstände sind interessant und gut ausgewählt. Nur bei einem Rätsel, das auf Fotos basiert, ist überdeutlich, dass die meisten Bilder aus den 50er bis 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts stammen. Auch hier ein auffälliger Bruch.

Unschön die Beschriftungen, die (wie bei den meisten Escape Rooms leider üblich) entweder nach wenig beherrschten Grafikprogramm am Computer oder ungelenkem Edding-Marker aussehen. Die Anbieter sollten sich wirklich mal von Grafikern beraten lassen, die sich in ein Ambiente einfühlen können.

Hinweise gibt es über einen Bildschirm im Hauptraum, der aber leider nicht die noch verbleibende Zeit anzeigte (das schien ein Fehler zu sein).


Die Rätsel

Durch das fast immer unmotivierte Schummerlicht (einmal geht es darum, Licht zeitweise einzuschalten, da geht diese Art Beleuchtung in Ordnung) sind alle Rätsel schwieriger als sie sein müssten, insbesondere für ältere oder sehschwache Personen.

Es gibt ein paar auf verborgener Technik beruhende Rätsel, die überraschende Wege öffnen, viele Schlösser, was stimmig wirkt, aber nicht alle davon zeitgemäß, und ein paar simple Suchaufgaben. Der Höhepunkt ist nicht schlecht gelöst, allerdings ist auch hier die Verwendung allzu moderner Materialien ein unschöner Bruch (wie wär’s mit Kork und Watte statt Schaumgummi?).

Ein Rätsel, das mit Klang und einem einzugebenden Code zu tun hatte, hatten wir zwar sehr schnell gelöst, kamen aber mit der Umsetzung überhaupt nicht zu Rande (die Töne, die das Rätsel von sich gab, wurden von uns falsch interpretiert - eventuell waren wir auch zu müde – sodass der Spielleiter schließlich ein Einsehen hatte und uns den nächsten Schritt quasi schenkte).

Ein großes Lob an die Technik und den aufmerksamen Spielleiter, der solche Overrides auslösen kann. Zwar kommt man sich einen Moment blöd vor, wenn einem derart unter die Arme gegriffen wird, aber man bleibt so wenigstens im Fluss und kann sich der nächsten Aufgabe zuwenden.


Das Personal

Zu Gesicht bekamen wir lediglich den Gründer des Ganzen. Er war sehr sympathisch und machte Spielleitung und Einführung annehmbar gut. Wir vermissten einen koordinierten und abschließenden Walkthru, der noch mal die Highlights Revue passieren ließ, allerdings plauderte er mit uns noch eine ganze Weile über Details und gab interessante Einblicke hinter die Kulissen. Escape Berlin ist noch recht jung und will auf dem vorhandenen Raum noch mehrere Escape Rooms eröffnen (das müssen sie meiner Meinung auch dringend, denn sonst wird sich das finanziell nicht tragen). 


Das Fazit

Eine gute Mischung aus unterschiedlichsten und nicht zu vielen Rätseln in einem leider meistens sehr dunklen, aber weitgehend gelungenen Ambiente. Die Story war für uns kaum nachvollziehbar, aber gestört hat uns das nicht.
Der Raum ist für 2 bis 7 Personen ausgelegt. Für Einsteiger kann die Vollbesetzung hinkommen, erfahrene Escaper sollten höchstens zu viert sein, sonst gibt es für sie zu wenig zu tun.

Ein guter Escape Room mit noch etwas Luft nach oben.

Escape Berlin VR GmbH 
Storkower Str. 140 
10407 Berlin


Am Rande

ESCAPE Berlin bezeichnet sich als größter Anbieter Europas. Das bezieht sich auf den gesamten Platz, der potenziell für mehrere Escape Rooms zur Verfügung steht. Spielbar waren im Sommer 2016 Sherlock Holmes und Big Bang (Bericht folgt), beide insgesamt recht groß. Riesig sollte dann ein Horror-Escape werden, der zu diesem Zeitpunkt noch in der Testphase war.
Der Gründer betreibt gleichzeitig ein Portal, das alle Escape Rooms der Republik auflisten und bewerten will. Logisch, dass die eigenen Räume dort ganz oben und sehr gut bewertet auftauchen. Ein leichtes Geschmäckle hat das schon, allerdings bietet die Seite tatsächlich eine gute Übersicht. 


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