Montag, 22. Februar 2016

ZDF-Samstagabendshow: Das Spiel beginnt, zweiter Teil

❞Was höre ich da?❝


Die ZDF-Samstagabendshow „Das Spiel beginnt“ geht demnächst in die dritte Runde? Dabei ist doch die zweite völlig an mir vorbei gerauscht. Die erste nicht. Dank den Mediatheken und Youtube kann man sie sich natürlich trotzdem noch ansehen und ich muss sagen: Hut ab, Verantwortliche vom ZDF, ihr habt (ein bisschen) dazu gelernt.


Ich bin sicher nicht der einzige, der die Sendung verpasst hat, denn sie musste in der Vorweihnachtszeit gegen „Schlag den Raab“ antreten. Hihi, das wäre echt „Meta“ gewesen, wenn sie das gar nicht so schlechte Party-Brettspiel „Schlag den Raab“ in der Sendung gehabt hätten (das würde aber nun wirklich nicht passen, mal ganz abgesehen vom lizenzrechtlichen Gewürge).


Die Spielauswahl der Show war ein guter Mix aus alten und neuzeitlichen Klassikern (Mühle, Stadt-Land-Fluss, Senso, …) und einigermaßen aktuellen Familien- und Kinderspielen (Lotti Karotti, Ubongo, Hamsterrolle, Meisterwerke…). Alle waren in ihrer Umsetzung fürs Studio gut geeignet. Mal wieder Mühle hervorzukramen, und es einfach an normalen Brettern und Tischen spielen zu lassen, fand ich auch gut.

Obwohl es ein eher banales Kinderspiel ist, war Lotti Karotti mein Highlight, da die Spieler auf Falltüren standen, und nicht wussten, welche sich abrupt öffnen und den Spieler zwei Meter tief fallen lassen würde. Die Anspannung auf den Gesichtern der Mitwirkenden war echt gut anzusehen.

Die Bildregie bzw. der Schnitt, denn die Sendung war nicht live, war besser als beim ersten Mal: nahezu immer konnte man gut nachvollziehen, was sich auf der Spielfläche tut. Die Spielregeln wurden meistens gut genug erläutert (bei Meisterwerke wäre es gut gewesen, dem Publikum zu erklären, dass keiner der Spieler vorher weiß, worauf es beim Bild wirklich ankommt - noch besser: den Zuschauern hätte man die wirklich wichtigen Details vielleicht sogar einblenden sollen …

Die Reihenfolge der Spiele war jedoch seltsam, sie ergab keinen guten Spannungsbogen. Stadt-Land-Fluss war unfair (Kinder mögen ja schneller als Erwachsene reagieren können, wenn es darum geht, einen Buzzer zu drücken, aber mit dem Wortschatz zu Urlaubsländern oder Lieblingsessen etc. ist es naturgemäß noch nicht so weit her). Mir ist schon klar, dass das Konzept Kinder gegen Erwachsene nicht gekippt werden wird (es hat ja auch einen hohen Reiz für viele Zuschauergruppen), aber dann doch bitte keine Allgemeinwissensspiele … 

Kerners Kinder-Comoderatorin Hannah Faye Montana ist wahrscheinlich nur ein Ergebnis einer drastischen Kinderdressur, allerdings kann man das wirklich nur vermuten, denn sie kam, ich gebe es ungern zu, sehr locker und ungestelzt rüber (viel, viel besser als Emma Schweiger). Übrigens ist sie die Tochter einer Darstellerin, die in den Schweiger-Filmen mitspielt, es bleibt also alles irgendwie in der Familie.

Kerner machte nach der erneut eher peinlichen Doppel-Anmoderation beim Beginn der Show seine Sache sehr gut. (Aber wer hatte ihm bloß seine Hose ausgesucht? Das sah grausig aus, vor allem, als das enge Ding im Lauf der Sendung immer weiter nach unten rutschte.)

Die spielenden Kinder waren aufgeweckt und kamen authentisch rüber. Klar muss man für eine solche Sendung vor Riesenpublikum eher potenziell extrovertierte kleine Nervensägen aussuchen, sonst wird’s langweilig, aber keins der Kinder ging mir wirklich auf den Wecker), die erwachsenen Promis waren alle sympathisch zurückhaltend, aber bei der Sache, besonders Smudo gefiel mir.

Es wurde fair und siegorientiert gespielt, die Erwachsenen nahmen keine Rücksicht auf die Kinder, was ein absolut vernünftiges Konzept ist, auch wenn sie manchmal helfend eingriffen. Das war sicher nicht gönnerhaft gemeint, sondern ist ganz typisch, wenn man begeistert spielt (ich habe allen Beteiligten geglaubt, dass sie einfach nur Spaß hatten).   

Der komische Würfelturm, mit dem die Punkte für jedes Spiel bestimmt werden, funktionierte allerdings schon wieder nicht richtig und ist ein spielerisches Ärgernis, weil er wilde und unfaire Punktverteilungen erzeugen kann. Viel besser wäre es zum Beispiel, die beiden Spielergruppen würden nach der Erklärung des Spiels einschätzen, ob sie sich Gewinnchancen ausrechnen und dann eine entsprechende Zahl setzen. Sie müssten dann ein festes Kontingent an Punktchips haben – und (offen oder verdeckt) entscheiden, wann sie die 6 Punkte einsetzen und wann eben eine kleinere Zahl.
An diesem Würfelturm wird man aber wohl nicht vorbeikommen: Für die Macher ist der sechsseitige Spielwürfel sicher immer noch DAS Symbol für Gesellschaftsspiele und muss folglich präsent in der Sendung platziert sein. Ächz.

Die Verkäufe von Lotti Karotti oder Senso muss man nicht ankurbeln, die verkaufen sich immer schon wie geschnitten Brot, aber dem großartigen Meisterwerke (das zuerst unter dem Titel Identik in D erschien) und auch Ubongo gönne ich, dass eine noch breitere Masse Normalos diese Spiele jetzt entdeckt hat.

Als zu lang empfand die Sendung trotzdem wieder, aber unterm Strich viel besser als die Premiere. Die nächste Show soll am 19. März laufen. Meine Prognose, dass die Show schnell verschwinden würde, war also Mist.

Was würde ich mir für Spiele für die nächste(n) Sendung(en) wünschen/womit rechne ich?
Vielleicht (zum Teil in drastisch abgespeckter Form natürlich):

Geister
Halli Galli
Kling-Klang-Klunker
Das verrückte Labyrinth
Schnapp die Sau/den Hund/den Bär
Bongo
Pentago
Rattle Snake
Diamant (Mist, derzeit nicht auf dem Markt)
Kippling (auch nicht mehr auf dem Markt …)
Tsuro (ach, auch nicht)
Monster Mix
Mars Würfel
Der große Wurf
Team Work
Cartagena
King of Tokyo
Potion Explosion
Galaxy Trucker
Carcassonne
Simsala Bumm? …

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