Donnerstag, 21. Januar 2016

Room Escape (Live-Spiel)

TEAM Escape: Die Blutdiamanten von Rabuun

❞Ich hab ihn! Das ging ja schnell …❝

Mehr zu Room Escape (oder Escape Room?) Games hier.

Natürlich wird nichts über tatsächliche Rätsel und Lösungen erzählt. Bin ja kein Spaßverderber.

Der Anbieter Team Escape bietet bei seinen vielen Standorten in Deutschland unterschiedliche Spielzimmer an. Wir haben (zu zweit) die Blutdiamanten von Rabuun in Köln ausprobiert.


Irgendwie stehen meine Besuche bei Team Escape unter einem schlechten Stern (und nehmen dann doch immer ein sehr positives Ende). Diesmal begannen die Rätsel schon vor dem Termin: Gebucht war das quietschneue „Süße Rache“ für zwei Personen, in Köln. Ein paar Wochen vor dem Termin eine Mail: Tut uns leid, „Süße Rache“ ist noch nicht fertig - hättet ihr stattdessen Lust auf die „Blutdiamanten“? Na klar, uns egal.

Rechtzeitig losgefahren, Straßennamen im Navi eingegeben und … in irgendeinem Vorortviertel gelandet, wo zwar sofort ein Parkplatz zu finden war, bloß kein Escape Room.

Postleitzahl geprüft und siehe da: es gibt den Straßennamen zweimal in Köln! Rasch zum richtigen Ort des Geschehens, Parkplatz suchen, eine Minute vor dem geplanten Termin nach Durchfragen hechelnd die richtige Tür und Klingel finden. Die junge Dame ruft uns oben durchs Treppenhaus des Arzt-Praxen-Gebäudes zu: „Könnt ihr noch 15 Minuten warten? Wir sind mit der letzten Gruppe noch nicht durch.“ Also ein Cafe in der Nähe aufgesucht und eine Tasse Kaffee getrunken.

Der größte Klopper kam dann aber noch.

Wir sitzen schließlich im Aufenthaltsraum von Team Escape, zusammen mit fünf uns unbekannten jungen Leuten. Die beiden Spielräume sind vorbereitet (man hörte zwischenzeitlich unheimliches Getöse von dort, als ob in den Minen von Moria Erz mit mechanisch angetriebenen Loren gefördert würde) und wir werden gebrieft. Dann wird die Fünfergruppe losgeführt (es gab damals zwei identische Räume an diesem Spielort) und wir werden gefragt, wann unsere anderen Mitspieler denn kommen würden. Welche anderen Mitspieler? Wir hatten für zwei gebucht. Äh, ja, „Süße Rache“ war für zwei gedacht, aber dieser Raum ist erst ab drei Personen spielbar.

Oha.

Wir versichern, dass wir keine unbeschriebenen Blätter sind, was Escape Rooms angeht. Die Spielleiterin denkt kurz nach und meint dann, es würde schon gehen, sie hilft halt ein bisschen mehr als sonst.

Die Story: Ein Bankdirektor steht im Verdacht, kein ganz ehrlicher Mensch zu sein, sondern Unterschlagung und wasweißich noch alles zu betreiben. Sogar den berühmten Riesenklunker „Blutdiamant von Rabuun“ soll er sich unter den Nagel gerissen haben. Wir sind Teil einer Gruppe Privatermittler, die den Saukerl überführen und den Blutdiamanten sichern wollen. Dazu wird ein Komplize den Bankdirektor für eine Stunde von dessen Büro fernhalten, um uns Zeit für die Untersuchung zu geben. Außerdem hat der Komplize uns einen Rucksack mit allerlei praktischen Hilfsmitteln gepackt. Kurz vor dem Betreten des Raums drückt man uns den Rucksack in die Hand und es geht los.

Spoilerfrei, wie immer:

Natürlich verbirgt sich hinter dem Büroraum, den wir betreten, mehr als man denkt. Wie immer gibt es auf eher kleinem Raum eine ungeheure Menge zu entdecken, auch wenn einem das meiste zunächst völlig rätselhaft bleibt. Dann aber fügen sich die ersten Puzzleteile zusammen und man kommt in den „Flow“ …

Postkarten gibt es zu finden, Andenken von Fernreisen des Bankiers, Geld natürlich, immerhin geht es um das Thema Bank, und – recht schnell: einen sehr großen, rosafarbenen Diamanten! Nanu, da haben wir nach 5 Minuten schon das titelgebende Beweisstück gefunden? Nein, natürlich nicht. Es dauert noch eine ganze Weile, bis wir den echten Klunker entdecken, und selbst dann bekommen wir ihn noch lange nicht in unsere Finger.

Kaum ein Spoiler ist, da man den Hinweis praktisch sofort in Händen hält: Es geht unter anderem darum, diverse Sicherheitssysteme auszuschalten, ohne Alarm auszulösen.

Das macht Laune, denn fast alles ist (innerhalb der Logik von Room Escapes) sinnvoll und nachvollziehbar präsentiert. Technische Spielereien haben hier die größte Rolle und sind beeindruckend, fehlerfrei und spannend inszeniert. Der Stress zu zweit ist ungeheuerlich, aber auf eine angenehme Art. Kein Rätsel, das zu nervig wird, natürlich auch deshalb, weil die gut vorbereitete Spielleiterin immer zum richtigen Zeitpunkt den nötigen Hinweis gab.

Über weite Strecken kommt echtes Bankeinbruchs-Feeling auf – alle Klischees, die man aus den einschlägigen Filmen oder TV-Serien kennt, werden bedient, manche Rätsel lassen sich nur in Teamarbeit zu zweit lösen. Nur wenige Red Herrings, also zu nichts führende Hinweise oder Requisiten, kommen vor. 

Haben wir’s geschafft? Ja, haben wir. Satte fünf dicke Hinweise per Monitor – neben einigen kleineren Tipps – gab es (ohne die hätten wir sicher mindestens eine halbe Stunde mehr gebraucht), fünf Minuten vor Schluss konnten wir die Eingangstür wieder öffnen.

Der Raum befindet sich in einer ehemaligen, großen Arztpraxis. Alles ist sauber und hell, der Warteraum und die Flure nett, aber auch ein bisschen einfallslos gestaltet (aber wen interessiert das?). Vier Spielräume wird es in diesen Räumen demnächst geben.

Minimale Kritik: Die Raumausstattung ist zu 90% überzeugend und authentisch - der Rest sind Fototapeten, die den Raum komplettieren sollen (ein Gang mit Schließfächern, ein Bücherschrank). Im Verlauf des Spiels ist das egal, zerstört aber den Realismus beim Ersteindruck. Ein paar Requisiten sind dann auch eher Sachen aus dem Geschenke-Shop statt authentische Wertgegenstände, aber das stört kaum.
Außerdem haben wir bei einem abschließenden Rätsel zunächst nicht kapiert, welcher von zwei Werten gefragt war, da wurde zu viel vom Spieler gefordert – gut möglich aber, dass wir den nötigen Hinweis übersehen haben.
An einer versteckten Stelle hing ein abgerissenes Kettchen, was uns sehr verwirrt hat – fehlte da was? Sollte uns das was sagen? Nein, da fehlte nichts, und es war bedeutungslos.

Eine Abschlussbesprechung gab es nicht, nur großes, begeistertes Lob, weil wir „echt gut“ waren. Gefunden hatten wir tatsächlich alles, aber jeder von uns beiden hat vieles, was der andere gemacht und gelöst hat, gar nicht zu Gesicht bekommen (das ist halt ganz normal bei Escape Rooms), da wäre ein Schnelldurchlauf der Highlights schön gewesen. Ich nehme mal an, weil die Spielleiter etwas im Verzug waren, wollten sie so wieder Zeit aufholen.

Insgesamt eine klare Empfehlung! Fantastische Effekte, gute Atmosphäre. Vielleicht nix für Einsteiger und vielleicht doch besser für eine Gruppe aus drei bis vier Leuten (3 bis 6 sind möglich, und da es zwei gleichartige Räume gibt, sind auch bis zu 12 Leute möglich, in zwei Gruppen).

Team Escape Köln
Die Blutdiamanten von Rabuun
In Deutsch oder Englisch spielbar
30,- bis 22,50 pro Person 

Nachtrag: Süße Rache ist dort seit kurzem auch spielbar, ein weiterer Fall folgt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen