Montag, 9. November 2015

Room Escape (Live-Spiel)

Raus!

❞Braiiins!❝

Mehr zu Room Escape (oder Escape Room?) Games hier.

Natürlich wird nichts über tatsächliche Rätsel und Lösungen erzählt. Bin ja kein Spaßverderber.

Meine ca. zwei aufmerksamen Dauerleser (na gut: ein paar mehr sind es schon) haben es gemerkt: Hier ist schon lange, lange nichts mehr passiert. Ist aber wirklich ein seltsames Jahr gewesen. Leben und Tod machen einem manchmal einen Strich durch die Rechnung.

Um Leben und Tod geht es auch in Aachens erstem Escape Room, der Mitte Oktober 2015 eröffnet wurde. Das Team von „Raus rocks“ hat sich eine ziemlich geniale Hintergrundgeschichte einfallen lassen: Ganz Deutschland ist von einem Zombie-Virus befallen. Ganz? Nein, nicht ganz. Die kleine Enklave Aachen wurde von einer Schutzmauer umgeben und ist dem Vernehmen nach zombiefrei. Damit das auch so bleibt, lassen die „Öcher“ bloß garantiert gesunde Bürger rein: Einen medizinisch verlässlichen Test gibt es nicht - die Inkubationszeit für das Virus kann in Einzelfällen Tage, aber auch manchmal Monate dauern. Nur eins ist sicher: Wer das Virus in sich trägt, dessen Sinne und logisches Denkvermögen schwinden rapide. Will man in die Stadt, muss man sich in einem hastig zusammengezimmerten Testraum diversen Prüfungen unterziehen, die alle Sinne (außer dem Schmecken) beanspruchen und viele Logikaufgaben beinhalten. 
Mit diesem Kniff dürfen sich hinter der Tür zum Escape Room alle möglichen, thematisch natürlich völlig unzusammenhängenden Rätsel befinden, ohne dass die Spieler das Gefühl der Beliebigkeit bekommen.
Vorab so viel: Ich und meine Begleiterin durften den Rückzug antreten, in die Stadt haben wir es (auch nach 10 Minuten Zeitzugabe) nicht geschafft*. 

Dabei fing alles so gut an: Bereits die „Tür an der Stadtmauer“, die durch ein Kombinationsschloss gesichert ist, ist schon mal das erste Rätsel, das es (ohne Zeitbegrenzung) zu lösen gilt, bevor die Zeit läuft. Fühlen ist hier gefragt (nach ein paar Augenblicken der Verwirrung). Kaum ist man drinnen, muss man sich selber einschließen und den Schlüssel durch ein Loch in der Tür zum Spielleiter geben.
Der Raum, in dem man sich dann befindet, ist ein sehr kleines, improvisiertes Testlabor, das schön stimmig verranzt und fast stockdunkel ist. Für Licht muss gesorgt werden und der mehr oder weniger erste Test dreht sich ums Riechen. Es dauert nicht lang, und man ist von weiteren Hinweisen und Rätseln umgeben, die man verzweifelt zu deuten bzw. lösen versucht. Da spielt eine Menge eindrucksvolle – und tadellos funktionierende – Technik eine Rolle, da sorgt die gelungene Musik- und Geräuschuntermalung für noch mehr (angenehmen) Stress als man ohnehin schon erleidet.

Tipps kann man sich über ein Walkie-Talkie holen (und bekommt gelegentlich auch ungefragt welche), ein Bildschirm zeigt die noch verfügbare Zeit, die je nach Fortschritt mal grün, mal gelb, mal rot aufleuchtet. Die Farben sollen einem ein Gefühl dafür geben, wie gut man in der Zeit ist (ob die Aufgabe, an der man gerade rätselt, schon zu viel Zeitz in Anspruch genommen hat und man sich besser einen Tipp holen sollte. Zu zweit funktioniert das eher nicht - man hat kaum einmal die Gelegenheit, auf die Anzeige zu sehen, derart viele Aufgaben gilt es zu knacken. Bei größeren Gruppen findet aber immer mal jemand die Zeit, einen Blick auf die Anzeige zu werfen, um den anderen den aktuellen Stand anzusagen.

Natürlich bleibt es nicht bei dem ersten, kleinen Kämmerchen, der Raum erweitert sich im Verlauf des Spiels und bekommt eher eine Wohnzimmeroptik. Meiner Begleiterin gefiel das nicht, ich selbst hielt es für thematisch („ihr kommt langsam ins normale Leben zurück“). Ursprünglich hatten die Macher den Raum übrigens für den Keller des Geschäftshauses geplant, aus Sicherheitsgründen gab es dafür keine Erlaubnis und so wich man auf das oberirdische Ladengeschäft aus.

Die letzten Rätsel haben es in sich und dort zeigten sich leider auch Schwächen in der Raumgestaltung: da gibt es zwei Aufgaben, die mit Farben zu tun haben und sich überlagern, eine davon derart schlecht ausgeleuchtet, dass man ein Blau nicht von einem Schwarz unterscheiden konnte. Da gab es ein Masterlock One, das in einer Richtung etwas hakte, womit man nur allzu leicht über den Mittelpunkt hinaus schieben und damit die Lösungsbewegungen unbrauchbar machen konnte. Da sollte man ein logisch-mathematisches Rätsel lösen, ohne dessen Regeln zu kennen. Außerdem war’s mir gegen Ende doch eine mit Vorhängeschloss gesicherte Box zu viel. Auf die Schock-Effekte (die man aus Zombiefilmen kennt) hätte man verzichten können, sie passen thematisch eher nicht (die Betreiber eines Testraums werden dort sicherlich keine abgetrennten Gliedmaßen rumliegen lassen).

Hätten wir’s geschafft, wären wir mit einem ziemlich grandiosen Schlussgag belohnt worden und auch sonst möchte ich diesen Escape Room unbedingt empfehlen, denn die angesprochenen Schwächen sind wahrscheinlich beseitigt worden: wir beide waren nämlich tatsächlich die allererste zahlende Gruppe (sogar die Sicherheitsentriegelung der Türe funktionierte nicht, was garantiert schon bei der nächsten Gruppe behoben war). Zu zweit ist der Raum hammerhart und man sollte sich nicht scheuen, ausgiebig Gebrauch vom Funkgerät zu machen, um Tipps zu bekommen. Ideal dürfte eine Gruppengröße von vier Leuten sein. Mehr als fünf lassen die Macher nicht zu, was fair ist, denn besonders viel Platz ist nicht vorhanden. Update: seit 2016 sind offensichtlich 6 Personen erlaubt. Das ist grenzwertig: Da steht man sich meiner Meinung gelegentlich auf den Füßen!
Einige Rätsel und Effekte sind technisch sehr aufwändig gemacht und geben dem Spieler das gute Gefühl, eine solide Gegenleistung für den saftigen Raum-Festpreis von 90 Euro zu erhalten (bei 2 Spielern also sehr teuer pro Nase, für größere Gruppen dagegen vergleichsweise preiswert).

*zu unserer Ehrenrettung: Der Sonntag des Spiels war für uns beide ein eher ungünstiger Termin (was wir bei der Buchung noch nicht wissen konnten).

Raus!
In Aachen, Vaalser Straße 13
Für 2 bis 6 Personen
90 Euro für den Raum (also von 45 bis 15 Euro pro Person)

In Deutsch oder Englisch spielbar

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