Sonntag, 30. August 2015

Spyfall

❞Sind Punkte hier Nebensache?❝

(keine Fotos, da selbstgemachte Version)

Spyfall ist nicht etwa ein peinliches Ranwanzen an den Bond-Kinokassenerfolg von 2012, nein, nein, es beschreibt präzise, dass man einen der Mitspieler, den Spion, in die Knie zwingen muss.

Und das geht so: Aus einem Kasten mit vielen, vielen Tütchen fischt man eines heraus, entnimmt ihm so viele Karten, wie Spieler mitmachen minus eine, packt dann noch eine titelgebende Spionkarte dazu, mischt und gibt jedem Spieler verdeckt eine Karte.
In einer Runde mit sieben Spielern hat danach ein Spieler die Karte mit dem Hinweis: „Du bist der Spion“ (ohne Ortsangabe) vor sich, die anderen sechs Spieler haben Karten mit immer derselben Ortsangabe, zum Beispiel „du bist in einem Flugzeug“.

Hätte man einen anderen Umschlag/anderes Tütchen gewählt, würde die Angabe vielleicht U-Boot oder Petersdom oder Mittelalterlicher Kreuzzug oder Golfplatz oder, oder, oder lauten (ein paar Orte habe ich mir ausgedacht, theoretisch ist das Spiel nämlich beliebig erweiterbar).

Eine Uhr wird gestartet, die acht Minuten lang läuft.

Wer die Karten ausgeteilt hat, stellt jetzt eine Frage an irgendeinen Mitspieler. Die Frage darf beliebig gestellt werden, der Mitspieler darf beliebig antworten. Danach muss der Antwortende seinerseits einem anderen Spieler eine Frage stellen usw.

Irgendwann, spätestens nach acht Minuten, passiert dann eine von zwei Sachen:
  • Entweder meldet sich der Spion, deckt seine Karte auf und sagt: „Ich bin der Spion und ihr seid [hier Ortsangabe einsetzen]“ Hat der Spion den Ort richtig benannt, gewinnt er und alle anderen Spieler haben verloren, war die Angabe falsch, gewinnen die anderen Spieler.
  • Oder einer der Spieler sagt: “Ich möchte darüber abstimmen, wer der Spion ist.“ Danach entspinnt sich eine mehr oder weniger detaillierte Diskussion, an deren Ende einstimmig ein Spieler als Spion benannt werden muss. Ist er’s, gewinnen die anderen Spieler, ist er’s nicht, gewinnt der Spion.

Was bei den Frage-Antwortspielchen passiert, sollte klar sein: Man versucht, eine dem Ort angemessene Frage zu stellen, die nicht zu allgemein und nicht zu speziell ist. Der Antwortende zeigt im Idealfall durch seine ebenso geschickte Antwort, dass er genau weiß, um welchen Ort es sich handelt. Dieses Spielchen muss man treiben, damit es dem Spion nicht so leicht fällt, sofort auf den Ort schließen zu können (im Spiel sind 30 Orte vorgesehen, die zum Teil recht ähnlich sind). Andererseits muss der Spion, wenn er als Fragesteller oder Antwortgeber an der Reihe ist, möglichst gut bluffen, damit ihn die anderen Spieler nicht sofort entlarven.

Was passiert? Spyfall kommt immer ausgesprochen gut an, allerdings ändert sich die Spieldynamik je nach Spieleranzahl drastisch. Mit drei Spielern funktioniert es nur bedingt, ich würde davon eher abraten, mit vier oder fünf kommt Spaß auf, allerdings sind die Runden fast immer extrem kurz: Viel zu schnell haben sich die Spieler auf den Spion eingeschossen, bevor dieser auch nur den Hauch einer Ahnung hat, wo sich das Ganze abspielt.
Bei sechs bis acht Spielern wird es ausgeglichener und spannender: Der Spion wird rein statistisch nicht so oft befragt, daher sind seine Chancen, unauffällig den Ort durch aufmerksames Analysieren der Fragen und Antworten zu bestimmen, viel größer.

Übrigens könnte man zwei Spiele erwerben und mit einer größeren Zahl Spieler den Spion jagen – 10, 12 Mitspieler dürften noch gut zu handhaben sein …

Interessant wird es, wenn der Spion enttarnt werden soll: 
  • Clevere Manipulatoren können die Mitspieler derart verunsichern, dass plötzlich doch alle auf den Falschen tippen.
  • Ein kleines Wörtchen, völlig unbewusst vom Spion hingeworfen, kann die anderen davon überzeugen, dass DER DA es ja schon mal gar nicht sein kann (alle sind in der Raumstation, der Spion wird gefragt: "ist es hier eigentlich kalt?" und antwortet „das ist relativ“ … Raumstation, Weltraumfahrt, Relativitätstheorie …derjenige MUSS also eingeweiht sein)
  • Derjenige, der dauernd auf das Übersichtsblatt schielt, muss der Spion sein, denn er muss ja rausfinden, wo der Ort sein könnte - falsch gedacht: der Spieler suchte bloß nach möglichst vieldeutigen Fragen oder Antworten, die auch auf andere Orte zutreffen könnten.

Na gut: letzteres ist ein kleines Manko des Spiels, denn der Spion ist wirklich derjenige, der zumindest bei Neulingen recht häufig auf die Übersicht schaut. Erst wenn alle Spieler die immerhin 30 Orte auswendig kennen, entfällt diese Methode, den Spion zu entlarven. Ach ja, und das zentrale Übersichtsblatt selber ist auch ziemlich nervig. Besser wäre es, wenn alle Orte auf der Rückseite der Karten abgedruckt wären (aber dann könnte man natürlich Erweiterungen nicht so gut integrieren).

Übrigens stehen auf den Karten nicht nur Orte, sondern auch Personen, die sich dort aufhalten (Flugzeug = Stewardess, Flugkapitän, Passagier …). Es bleibt den Spielern überlassen ob sie sich vor dem Spiel darauf einigen, die Personen nur als Tipps zu verstehen, sich Fragen und Antworten auszudenken, oder ob sie ein striktes Rollenspiel aufführen (wenn auf der Polarstation der Meteorologe gefragt wird, antwortet er eben so, wie es zu einer Person seines Fachgebiets passt). Ich denke, das kann man erst einführen, wenn die Spielgruppe das Spiel schon recht gut kennt. Ich habe Spyfall noch nicht oft genug in derselben Gruppe gespielt, um zu ermessen, ob es dem Spiel eine zusätzlichen Reiz verschafft.

Uns machte es auch so großen Spaß (selbst die superkurzen Runden) – und für gewöhnlich wurde nach mehreren Partien verlangt. So sieht es natürlich auch der Autor vor, weil es ja noch eine Punktevergabe gibt. Wie üblich gilt aber: bei einem guten Partyspiel heißt die Antwort zur Frage ganz oben:


Ja, absolut!

Einstieg eher locker In dreißig Sekunden erklärt, in ca. 15 Minuten gespielt. Den Spielablauf kapiert jeder.

Spielreiz sehr gut In dreißig Sekunden erklärt, in ca. 15 Minuten gespielt (aber dabei bleibt es erfahrungsgemäß nicht). Ausgezeichnete Gruppendynamik, grandiose Mischung aus ausgelassener Stimmung und angespannter Konzentration.

Otto-Normalspieler-Empfehlung In dreißig Sekunden erklärt, in ca. 15 Minuten gespielt (sagte ich schon). Manchmal hat man beim ersten Frage-Antwort-Spiel einen Knoten im Hirn, dann gerät es ins Stocken (und der Stammler wird sofort verdächtigt), was aber nicht stört.

Spyfall von Alexandr Ushan
für 3 bis 8 Spieler, 
Deutsche Version vermutlich noch 2015 von Piatnik

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