Samstag, 21. März 2015

Heroscape

Dazu reicht eine Grundbox des Spiels? Ja, ungefähr, aber zusätzlich noch
1x Swarm of the Marro,
3x Road to the Forgotten Forest,
2x Ticalla Jungle,
2x Battle for the Underdark
1x Fortress of the Archkyrie
und unzählige Figuren …
Noch einmal muss das Archiv dran glauben und wieder ist es ein Gralsspiel (irgendwie) und wieder ist es ein (nach meiner Meinung) „sehr gutes“ Spiel – und wieder ist es ein leider vergriffenes Spiel, für das auf dem Gebrauchtmarkt derzeit hohe Preise gezahlt werden. 

Heroscape (etwa: „Heldenlandschaft“) war zum Zeitpunkt des Erscheinens der Grundbox bereits sensationell: Eine riesige, randvoll gepackte Schachtel mit ca. 30 halbwegs ansehnlich fertig bemalten Figuren und mit pfundweise sechseckigen Plastikteilen, die wie ein Baukastensystem an- und aufeinander passen, und mit denen sich eindrucksvolle Landschaften gestalten lassen. Wer dieses Spiel im Regal eines Warenhauses – übrigens beim Erscheinen zu einem ausgesprochen günstigen Preis – gesehen hat, dachte dann auch prompt an (martialisches) Spielzeug, nicht daran, dass es sich um ein reizvolles Einsteiger-Tabletopspiel handeln könnte. Das war sicherlich der erste Sargnagel für das von Hasbro/MB 2004 herausgebrachte Spielsystem, denn es hat nur knapp über 5 Jahre überlebt.

Tabletop? Noch nie gehört? Wirklich noch nie gesehen, wie Jungs aller Altersgruppen kleine Metall- oder Plastikminiatur-Fantasyfiguren oder Science-Fiction-Helden zusammen basteln, teils atemberaubend schön bemalen und damit auf modelleisenbahnähnlichem Gelände epische Schlachten nachspielen? 

Begonnen hat das schon im 19. Jahrhundert, damals noch als Kriegssimulation mit Zinn- oder Pappmachéfiguren napoleonischer Soldaten. Die Regeln hat natürlich! ein preussischer Offizier zu Ausbildungszwecken erfunden, später wurden sie aufgeschrieben und verbreitet von H. G. Wells, dem frühen Science-Fiction-Autor so großartiger Klassiker wie Die Zeitmaschine oder Krieg der Welten. Ein großer Fan, Figurensammler und aktiver Spieler war zum Beispiel der englische Schauspieler Sir Peter Cushing (der als Professor van Helsing so oft Christopher Lees Dracula gejagt hatte und den Jüngeren vor allem als Gouverneur Tarkin aus Star Wars bekannt ist). Ob Cushing sich gefreut hätte, dass es ihn inzwischen auch als Tabletopfigur für Star-Wars-Miniaturenspiele gibt?

Inzwischen gibt es nämlich Hunderte Spielsysteme mit eigenen Regelwerken, Figuren und Geländeteilen. Laserpointer werden genutzt, um die Sichtlinien der Figuren anzuzeigen, kleine Lineale und andere Hilfsmittel, die man eher dem Geometrieunterricht zuordnen würde, um Reichweiten und Einschlagskrater von Geschossen zu bestimmen. Gewürfelt wird wie blöde und dann auf Tabellen in telefonbuchdicken Wälzern nachgesehen, ob in dem Goblintrupp, der gerade in Richtung eines Wäldchens marschiert, Streit ausbricht und wie stark sich der Seitenwind aus südöstlicher Richtung auf abgeschossene Pfeile auswirkt (wobei aus einer Untertabelle hervorgeht, welche Auswirkung die gewachsten Ebenholzschäfte der Pfeile auf deren Flugeigenschaften haben).

Das alles ist kein Witz aus einer Folge Big Bang Theory, die ernsthaften Tabletop-Spieler machen das tatsächlich so oder so ähnlich. Manchmal dauern die einfachsten Bewegungen auf dem Schlachtfeld ewig, weil es (echten) Streit um Regelauslegungen gibt, über die Sichtlinie diskutiert wird oder durchaus geniale strategische Züge unter Partnern besprochen werden. Wer an dieser Beschreibung Gefallen gefunden haben sollte, kann hier getrost aufhören zu lesen und sollte mindestens den nächsten Games-Workshop-Laden aufsuchen oder noch besser per Google weiterforschen.

Heroscape nimmt nämlich den Kern dieser Idee und vereinfacht alle Aspekte des Tabletops derart konsequent, dass man im vereinfachten Grundspiel sofort loslegen kann.
Braucht man so viel von dem Zeug?
Nein, definitiv nein. Je größer die Landschaften sind, die man bastelt,
desto länger zieht sich das Spiel hin (und das tut ihm nicht gut, jedenfalls nicht,
wenn man einfache Szenarien spielt). Engere Räume sind zu bevorzugen).
Allerdings sehen große Landschaften einfach toll aus und das Bauen macht Spaß
– ebenso die neidischen Blicke von Besuchern (oder ist das schlicht Mitleid?).

Eine simple Spielfläche ist in immerhin 20 Minuten gebaut, komplexere (speziell mit den zahlreichen Erweiterungssets) können dagegen in stundenlange Arbeit ausarten, vor allem, wenn man nicht nach Anleitung vorgeht, sondern seiner Fantasie freien Lauf lässt und tüfteln muss. Wer solche Bastelei nicht mag, wer also beispielsweise mit Legosteinen auf Kriegsfuß steht, kann an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören. 

Die Spielfiguren – zu ihnen gibt es eindrucksvolle, aber unpraktische vieleckige Übersichtskarten – haben Punktkosten. Man sucht sich bis zu vorher vereinbarten Gesamtkosten die Übersichtskarten derjenigen Figuren aus, die man im Spiel benutzen möchte. Teurere Figuren haben bessere Bewegungs- und Kampfwerte und halten mehr aus, billigere sind eher Kanonenfutter. Außerdem gibt es neben Einzelfiguren auch Kampftrupps aus meistens drei oder vier Figuren pro Karte, die mehr Vielfalt bei der taktischen Bewegung zulassen, allerdings auch recht schwach sind, da ihre Mitglieder immer nur 1 Lebenspunkt haben. Die Einzelfiguren können dagegen normalerweise deutlich mehr Treffer einstecken.


This is Madness!
No, this is Heroscape goodness!
And it shall become Minas Tirith!
Die Figuren sind, jedenfalls die im Grundspiel und den ersten paar Dutzend Erweiterungen, extrem gut unterscheidbar, denn die Macher haben sich einen schönen Kniff einfallen lassen:
Das Ganze spielt in einer Art Jenseits, in dem die Helden aller Zeiten und Welten in ewigen Kämpfen aufeinandertreffen.
Mir gefällt dieser Mix aus Drachen, Orks, Cowboys, Ninjas, Aliens, Dinosauriern, Rittern, Römern und Robotern ausgesprochen gut – viele andere Spieler hatten damit jedoch ein mächtiges Problem (ein weiterer Sargnagel).

Die Figuren werden auf im jeweiligen Szenario angegebenen Startfeldern aufgestellt, dann stellt man kleine Plastikwappen auf vier seiner Karten, um anzuzeigen, mit welchen Figuren oder Figurentrupps man Aktionen unternehmen will – der Gegner weiß jedoch nicht, welches der Wappen nur eine Täuschung ist und in welcher Reihenfolge (die Wappen sind nummeriert) die Figuren gezogen werden.

Alle Fähigkeiten der Figuren stehen auf der zugehörigen Karte. So darf mein Kampfroboter 5 Schritte weit gehen, was ich auf den Sechsecken der Landkarte einfach abzählen kann (übrigens lassen sich auch Kletterbewegungen abzählen, indem man einfach die Höhe der Plättchen abzählt).

Wenn eine Figur mal irgendwo nicht drauf oder hindurch passt: Dann darf sie dort auch nicht langgehen. Genial einfach, was?
Der grüne Punkt in der Silhouette der Figur
(rechts auf der Karte) zeigt nicht an, dass diese engelsgleiche Gestalt
in den gelben Sack kommt, sondern wo sie ihre Äuglein hat
(die grauen Teile ihres Körpers sind dagegen die,
die man zwar mit Fernwaffen durchlöchern könnte, was aber null
Einfluss auf die Gesundheit oder Flugfähigkeit der Figur hat
- nein, die roten Teile muss man sehen können,
um ihr richtig Aua zu machen).

Hat er eine Fernwaffe, kann er damit auf alles schießen, was sich in Reichweite befindet (auch hier werden die Sechsecke zum Ziel gezählt). Ob eine Figur ihr Ziel sehen kann, ist bei klassischen Tabletops häufig eine kompliziert zu lösende Frage – Heroscape macht es intuitiv und einfach: Von dort, wo in etwa das Auge der schießenden Figur ist (auf der Karte mit einem grünen Punkt markiert), schaut der Spieler mit einem Auge in Richtung des gewünschten Ziels: sieht er eine erlaubte Trefferfläche (auf der Karte rot markiert), darf er schießen. Dazu würfelt er mit einer vorgegebenen Anzahl Spezialwürfel. Alle gewürfelten Schädelsymbole gelten als Treffer (Chance: 50%). Der Getroffene kann sich im Normalfall verteidigen. Auch der Verteidiger würfelt, jedes Schildsymbol hebt je einen Treffer auf (Chance: 33%). Übrig gebliebene Treffer werden mit kleinen stapelbaren Plastikchips auf den Karten gezählt.

Viele Figuren können jedoch nur im Nahkampf angreifen, sie müssen also direkt benachbart zum Gegner stehen.

Eine Figur, die alle ihre Leben verloren hat, ist aus dem Spiel.

Das ganze wiederholt sich so lange, bis nur noch ein Spieler Figuren auf dem Schlachtfeld hat.

Da viel gewürfelt wird, gleichen sich extreme Würfelergebnisse über eine ganze Partie gesehen recht gut aus – weil die Figuren jedoch nur einen bis wenige Lebenspunkte haben, kann man manchmal auch mit billigen, schwächlichen Figürchen einen teuren, starken Gegner in  einem einzigen Angriff vom Brett fegen.

Diese extrem einfache Version des Spiels ist im Wesentlichen eine Glücksorgie, bei der man seine Figuren in günstige Angriffspositionen bringt und dann nur noch so lange würfelt, bis es einen Sieger gibt.

Viel interessanter ist die Standardversion des Spiels: auf den Hauptseiten der Karten sind bestimmte Sonderfähigkeiten der Figuren erklärt, die die wahre Würze ins Spiel bringen. Solche Fähigkeiten sinnvoll anzuwenden oder gar mit denen anderer Figuren zu verknüpfen (steht A in Sichtweite von B, wird B stärker oder so) lässt das Spiel deutlich interessanter werden.
Ein Marvel-Spielfeld von der Seite heroscapers.com (ja, es gab außer Ninjas,
Dinosauriern, Cowboys, Robotern und Zombies auch eine Handvoll
Marvel-Figuren – seltsamerweise fehlen Piraten (vielleicht war DAS ja
das Aus für Heroscape?). Hübsch: Burgzinnen als Gräber und einfallsreich:
die Brücke hängt schief, was aber wunderbar klappt.

Wenn dann noch Geländeregeln ins Spiel kommen, vor allem durch unterschiedliche Erweiterungssets (Bewegung über Brücken, Straßen, Wasser, Eis, Schnee, Lava, Sumpf, …), beginnt das Spiel, an Tiefe zu gewinnen, ohne dass es zu kompliziert wird. Außerdem bieten diverse Szenarien mehr als nur das übliche Rumgekloppe bis zur Elimination des Gegners. Oft gilt es, eine „Glyphe“ zu erobern und eine Weile zu halten (Glyphen sind große Plastikchips, die zu Beginn zum Teil verdeckt ausliegen und beim Draufstehen eigener Figuren Vorteile bieten oder eben auch nur Eroberungsziele sind). Geschickte Platzierung der begehrten Glyphen verhindert dann auch das stupide Aufeinanderdreschen der Figuren recht gut. Das Spiel trägt deutlich die Kennzeichen des üblichen, so genannten Ameritrash (wenig Abstraktion – individuelle Spielcharaktere mit extremen Sonderfähigkeiten, die es nahezu unmöglich machen, eine wirklich ausgewogene Spielbalance hinzubekommen – Würfellastigkeit – Vernichtung des Gegners bis zum Sieg).


Übrigens ein eher kompaktes Spielfeld.
Daher will ich Heroscape nicht zum Überhammer hochloben: es bleibt eine stark glücksbetonte Klopperei, bei der Unmassen von Würfeln und Köpfen rollen, wo man ständig gezwungen ist, die eigenen und die gegnerischen Sonderfähigkeiten im Blick zu haben, in einer grandiosen Szenerie, die mehr als nur Staffage ist (denn fast alle Elemente haben eine Spielbedeutung: So dienen z. B. die Kanten der Burgzinnen dazu, genaue Sichtlinien zu bestimmen).

Für den einen oder anderen mag es lediglich der Einstieg in „ernsthafte“ Tabletop-Spiele gewesen sein, mir jedoch genügt es so, wie es ist und ich krame es immer wieder hervor.

Unten folgen noch ein paar Hinweise zu den seinerzeit (und vielleicht noch heute auf dem Gebrauchtmarkt) erhältlichen Sets.

Es ist ein Gralsspiel Das Spiel ist nicht mehr regulär im Handel. Glücklicherweise war ich ein „Early Adopter“ und habe mich zumindest mit ein paar Grundsets eingedeckt, als diese regulär bzw. im Ramsch für kleines Geld erhältlich waren. Später jedoch habe ich mich verflucht, bei Preisen von 15 Euro für 5 Ergänzungsfiguren nur den Kopf geschüttelt zu haben. Jahre später wiederum erschienen mir die wenigen Euro nämlich als Schnäppchen. Über US-und GB-Importe und Gebrauchtmarkt-Mauscheleien hatte ich dann später fast das gesamte HS-Material zusammen und immer noch ist da ein kleines Männlein in meinem Ohr, das mir weismachen will, mein Leben sei erst erfüllt, wenn ich auch wirklich alle Sets beisammen habe. Wer hier wirklich was beisammen hat (oder eben nicht), diskutiere ich besser anderswo. 

Einstieg eher locker Die einfache Grundregel ist in Minuten verstanden, allerdings ist das Spiel dann auch flach wie eine Heroscape-Landschaft mit nur einer Lage. Erst mit den – immer noch recht simplen – Komplettregeln beginnt das Spiel zu glänzen. 

Spielreiz sehr gut Schon mit den 30 Figuren des Grundspiels kann man eine Menge entdecken und viele Stunden Spaß haben. Wikinger auf Matrix-Geheimagenten loshetzen? Das gefällt doch den meisten verspielten Naturen. Mit zusätzlichen Szenarien (aus dem Internet oder aus dem eigenen Kopf) und zusätzlichem Material (das auch durchaus selbsterstellt sein kann und als Sichtunterbrechung dient – die Dschungel-Teile lassen sich z.B. recht prima mit billigem Plastik-Zubehör aus dem Aquarienhandel simulieren, Figürchen anderer Spiele könnte man missbrauchen, im Netz gibt es zum Beispiel Material, um ein Star-Wars-Heroscape zu schaffen oder Figuren von Mage Knight für das Spiel zu adaptieren) – kann das System ein lebenslanger Freund werden (wenn man es nicht übertreibt – ich kann HS auch mal ein Jahr oder so liegen lassen, um dann wieder ein, zwei Tage Riesenspaß mit dem Bau einer Landschaft zu haben). Anspruchsvollere Vielspieler sind jedoch oft unterfordert und verlangen nach mehr, was HS nicht bieten kann und will.

Otto-Normalspieler-Empfehlung Fast jeder hatte bisher Lust, mitzumachen, das Material motiviert einfach sehr. Die Einstiegsregeln kann man schnell erklären (oder selber lesen) und durch den Glücksanteil hat auch ein ungeübter Spieler noch gewisse Chancen. Leider praktisch nicht mehr zu bekommen (außer für viel zu viel Geld).


Heroscape (Spielsystem) von Stephen Baker, Rob Daviau und Craig Van Ness
für 2 bis 4 Spieler (ideal zu zweit oder im Partnerspiel)
Hasbro, 2004


Heroscape ist nicht mehr regulär zu beziehen. Auf dem Gebrauchtmarkt gibt es sehr teure Angebote, ganz selten taucht mal etwas auf Flohmärkten auf. Da es die Anleitungen und Karten im Internet gibt (auch auf Deutsch), kann man getrost englische oder sonstigsprachige Sets nehmen und muss sich dann halt ein bisschen Material selber ausdrucken:

Sollte man ein Master Set Heroscape - Die Schlacht aller Zeiten entdecken: Zuschlagen! (Wenn man es blöd finden sollte, lässt es sich ohne Wertverlust wieder verkaufen.) 
Von diesen Grundsets kann man zwei bis drei gebrauchen (die doppelten Figuren braucht man zwar eher nicht, aber das Baumaterial ist nützlich, um vor allem höhere Schlachtfelder zu basteln. Kleine, aber sehr in die Höhe gehende Schlachtfelder sehen viel, viel interessanter aus und bieten Möglichkeiten, Höhenunterschiede taktisch und regelgemäß klug auszunutzen und Schluchten zu bauen, die für größere Figuren unzugänglich sind.

Das zweite Master Set (Swarm of the Marro) bietet zwar schon deutlich weniger Material fürs Geld, aber auch hier kann man ein bis zwei gut gebrauchen.


Toll und teuer: die halbdurchsichtigen Eisberge der
Thaelenk Tundra.
Die mittelgroßen Erweiterungen sind alle empfehlenswert. Besonders natürlich die mit Geländeteilen wie Bäumen und Felsen. Wenn man das Baum-Set (zu dem auch eine Brücke und Straßenteile gehören) bekommen kann: mitnehmen! Selbst ein halbes Dutzend davon ist nicht zu viel (allerdings dürfte es kaum für kleines Geld zu finden sein).

Apropos Kosten: Unter der Ägide von Wizards of the Coast (siehe unten) kamen zum Beispiel zwei Erweiterungssets mit einersets Dschungelpflanzen (Ticalla Jungle) und andererseits den dazugehörigen Monstern heraus: beide sind auf dem Gebrauchtmarkt - jedenfalls noch 2015 – IRRWITZIG teuer (warum auch immer: die Pflanzen finde ich ganz gut, vor allem optisch, zu den Figuren kann ich nichts sagen, das scheint kaum mehr als ein Hype zu sein, auch weil dieses Set wohl in nur noch kleinster Auflage erschienen ist).

Die kleinen Erweiterungen waren schon bei ihrem Erscheinen überteuert. Allerdings erscheinen die damaligen Preise im Vergleich zu dem, was man heute auf dem Gebrauchtmarkt hinblättern muss, wie ein Schnäppchen. Einige Figuren der Erweiterungen sind großartig (optisch und spielerisch), viele bringen spielerisch jedoch nur wenig auf den Tisch. Informationen dazu kann man sich (auf Englisch) bei Heroscapers.com holen. 


Mit den Leitersprossen der Burg lassen sich Schritte zählen
und die Figur kann auf einer bestimmten Höhe stehen bleiben.
Warum Spiderman Leitern braucht?
Ach ja, das Leid gestellter Fotos.
Die Burg (Fortress of the Archkyrie) ist optisch große Klasse. Ein bis zwei Burgsets reichen (spielerisch, vorausgesetzt, man findet passende Szenarien – für fliegende Figuren stellen die Burgen nämlich kein Hindernis dar). Mit den braunen Leitersprossen – an denen die Figuren tatsächlich "hochklettern" können, muss man extrem vorsichtig umgehen. Bei einigen ist das Plastik inzwischen spröde geworden und bricht leicht. Grundsätzliche Warnung: Nur wer über ordentlich (kontrollierte) Kraft in den Händen verfügt, wird Spaß mit diesem Set haben, da sich gerade die Burgteile manchmal nur unglaublich schwer zusammensetzen oder lösen lassen (kaputt gegangen ist mir dabei außer eben ein paar Leitersprossen noch nichts, obwohl das Material beim Basteln "Jetzt-ist-es-aber-wirklich-gebrochen-Geräusche" von sich gibt). 

Das Marvel-Set war eine kurzlebige Idee, mit dieser Lizenz ein neues Heroscape-Fass aufzumachen. Es war wohl ein Flop, es gab keinerlei weitere Erweiterungen. Die Geländeteile sind eher langweilig, weil vor allem einfarbig, die gelungenen Figuren überstark (wie es sich für Superhelden gehört), aber auch sehr teuer (in Punkten), sodass man sie noch so einigermaßen gerecht mit den übrigen Heroscape-Figuren kombinieren kann. Nur nehmen, wenn man das sehr günstig bekommen kann, denn viel Material ist nicht enthalten.

Hasbro hatte sich mit Heroscape verkalkuliert. Der große Renner war es für die breite Masse nicht, ein paar Jahre später wurde das System an die Hasbro-Tochter Wizards of the Coast abgegeben, die noch ein paar halbwegs vernünftige Sets herausbrachten, und dann eine Art Dungeons&Dragons-Dungeoncrawler-Set (Battle for the Underdark) plus eine respektable Zahl von Figuren-Erweiterungen brachten.
Diese Sets sind nur empfehlenswert, wenn man sie günstig bekommen sollte, was ausgesprochen schwierig sein dürfte. 
Unschön, dass Wizards of the Coast die Sockel der Figuren abänderte, blöd, dass sie keine neuen Figuren herausbrachten, sondern altbekannte Dungeons&Dragons-Minis auf Heroscape-Sockel setzten, wesentlich schlechter bemalen ließen und richtig doof, dass diese im Maßstab und Optik kaum zu den eher bulligen Heroscape-Figuren passten. Die Dungeon-Szenarien und -Regeln waren dagegen einigermaßen gut durchdacht und brachten frischen Wind ins System, aber 2010 wurde Heroscape dennoch vollständig eingestellt: Bei den Vielspielern (sicherlich nicht den „echten“ Tabletop-Spielern) war das Spiel zwar gut angekommen und wurde wie blöde gekauft und gespielt, aber die große Masse, für die es inhaltlich und von den Auflagenzahlen her gedacht war, interessierte sich offenbar nicht ausreichend dafür. Dass die offiziellen deutschen Regel- und Kartenübersetzungen ziemlich lustlos und fehlerhaft runtergerissenes Zeug waren, hat hier vielleicht zum noch früheren Aus bei Heroscape geführt (nur die erste Grundbox und ein paar Erweiterungssets sind hierzulande in Deutsch/Englisch herausgebracht worden).

Im Internet (und in der realen Welt) hat das Spiel noch immer eine große Fangemeinde, es gibt Massen von wunderschönen Bauanleitungen und auch einige ausgefuchste Szenarien. Es kursieren sogar kostenlose Programme, mit denen man seine Heroscape-Sammlung verwalten und virtuelle 3D-Landschaften planen kann (alles am einfachsten über www.heroscapers.com zu finden). Ganz neue Sets werden von den Fans entwickelt und getestet (mit Figuren aus anderen Miniaturenspielen), sogar eine Star-Wars-Konversion existiert (Kloppereien in der Mos-Eisley-Cantina oder im Korridor der Tantive IV? Kein Problem, alles ist vorhanden). Auch die offiziellen von Hasbro herausgegebenen Szenarien der offiziellen Sets, die mit erfreulich wenig Material auskommen, sind online noch zu bekommen.
Hier kann man sie zum Beispiel finden, hier gibt es besonders schön durchdachte und mit wenig Material sehr ansehnlich erstellte Szenarien (alles leider nur in englischer Sprache). 

Es deutet sich übrigens an, dass Wizards of the Coast in 2015 oder 2016 ein neues Magic-Miniaturenspiel auf den Markt bringen wird, das die originalen Gussformen der Heroscape-Geländeteile benutzen wird und viele der Regelelemente des Spiels aufweist. Vielleicht findet Heroscape auf diesem Umweg wieder den Weg auf unsere Spieltische.

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