Sonntag, 16. November 2014

Das magische Museum - Ravensburger SmartPlay

❞Du hast – Ein – Problem❝

Gerade hat man noch gehofft, dass Ravensburger nach den im Ansatz auch für erwachsene Spieler geeigneten TipToi-Spielen „Globus“ und „Der Millionen-Coup“ weiteres Material rausbringt, da überraschen sie mit einer Serie elektronischer Spiele, die auf ein technisches Gimmick völlig verzichten, sondern das heimische Smartphone (oder einen geeigneten iPod) benötigen, auf das eine  kostenlose App geladen wird, die alle Vorgänge auf dem Spielplan erkennen und so das Spiel leiten soll.

Der seinerzeit umstrittene, elektronische König Artus wurde dazu wieder aus der Versenkung geholt und auf den neuen Stand der Technik gebracht, ein Quizspiel gibt es ebenso und ein ein kooperatives Spiel. Alle drei gibt es zusammen mit einem Plastik/Alu-Halter für’s Smartphone (als Starter-Set) oder auch ohne diesen – dann ein paar Euro billiger.

Ich habe mich höllisch gefreut und mir aus der Serie Das magische Museum zugelegt, ein kooperatives Familienspiel mit Solo-Möglichkeit und verschiedenen Schwierigkeitsstufen und frage mich jetzt, ob das jemand in Essen auf dem Ravensburger-Stand wirklich ausprobiert hat, denn es funktioniert leider hinten und vorne nicht.

Gut: ich habe es mit einem iPad Air 2 gespielt (das passt zwar nicht in die Halterung, kann aber mit ein bisschen Bastelgeschick sicher darauf befestigt werden, sodass die Kamera das Spielfeld gut erfasst. Die Software lässt sich darauf installieren und hängt sich auch nicht auf (wie beim iPhone 4, das ausdrücklich NICHT mit dem Spiel funktioniert, iPhone 4S ist auf iOS-Seite das absolute Minimum – natürlich werden auch diverse Android-Smartphones als kompatibel gelistet).

Klar, beschweren dürfte ich mich nicht, denn Tabletts sind laut Systemvoraussetzungen nun mal nicht geeignet, aber rein technisch gibt’s da praktisch keinen Unterschied zu aktuellen Smartphones, was die SmartPlay-Software angeht. Weitgehend funktionieren die Erkennung und der Spielablauf ja auch.

Nichtsdestotrotz wurden manchmal (vor allem die grünen) Aktionschips teilweise oder vollständig nicht erkannt, womit das Spiel sinnlos wird (wenn ich plane, in einen Nebenraum zu gehen, um dort etwas zu suchen, das Gehen aber von der Software nicht erkannt wird, ist die Suche für den Allerwertesten). An anderer Stelle erhält man manchmal den Bonus, sich mithilfe eines speziellen Chips an zwei Stellen einen Hinweis geben zu lassen. Leider wird er aber nur einmal erkannt, dann geht das Spiel weiter … usw.

Die Beleuchtung übrigens war perfekt, daran lag es nicht!

Außerdem plagen das Spiel Timing-Probleme: fast immer schafft man es nicht rechtzeitig, türversperrende Ritterrüstungs-Plättchen auszulegen, sodass der Sprecher schon nach zwei, drei Sekunden ermahnt, ihre korrekte Position zu überprüfen. An anderen Stellen hätte man wiederum eine etwas flottere Erkennung lieber, da wird das Spiel zur Geduldsprobe.

Das stört den technischen Ablauf zwar nicht, nervt aber (beim Würfeln passieren ähnliche Dinge).

Der Solomodus klappte bis auf den Hinweischip ganz gut, kam aber irgendwann an einen Punkt, wo das Spiel nicht mehr weiter wollte (ein Absturz im klassischen Sinn war das jedoch nicht).

An den Stellen, wo das Spiel funktionierte, zeigt es große Stärken: Der Zeitdruck, unter dem geplant werden muss, ist stark, die Entscheidungsmöglichkeiten für ein Familienspiel genau richtig, die Spannung, die sich aufbaut, ist prima. Wenn es denn komplett spielbar wäre, wäre es ein echt gutes Spiel, etwas unter dem Anspruch des gleichfalls bei Ravensburger erschienenen, empfehlenswerten TipToi-Spiel „Der Millionen-Coup“ liegend.

Nach ein wenig Internet-Recherche wurde klar: Es liegt wohl an der Software, denn selbst Leute, die gleich mehrere der angeblich kompatiblen Smartphones ausprobiert haben, klagen über dieselben Macken. Ravensburger hat ein Update zugesagt, das in ein paar Tagen erhältlich sein soll.

Was aber wahrscheinlich nicht behoben wird, ist die abgehackte Sprache. Ich habe das schon bei der Yvio bemängelt, dort aber auch lobend erwähnt, dass die Macher dieses Problem beim letzten für die Yvio erschienenen Spiel weitgehend im Griff hatten. Sätze wie

nimm dir [Zahl] [Farbe] Plättchen und
es nehmen [Zahl] Spieler teil und
Spieler [Zahl], du verlierst [Zahl] [Farbe] Plättchen

kann man (als Text in einer Software) recht effektiv in ihre Einzelelemente zerlegen, um Platz und Zeit (nicht jedoch unbedingt Rechenzeit und Programmierzeilen) zu sparen. Macht man dies mit gesprochenem Text, tun sich immer drei Fallen auf.

1. Wären die oben genannten Sätze geschriebener Text, könnte ich für [Zahl] überall „ZWEI“ einsetzen und alles wäre gut und verständlich (die korrekte Groß-/Kleinschreibung lasse ich mal außen vor). Werden diese Sätze aber gesprochen, wird man bemerken, dass diese Zahl in manchen Sätzen anders betont werden muss. Ein und dieselbe Betonung wird seltsam und mechanisch klingen.

2. Je nachdem, wann man eine Tonaufnahme macht, wird ein und derselbe Satz, von derselben Person gesprochen, sich unterschiedlich anhören, weil sich unsere Sprechfärbung ständig ändert. Mal ist die Stimme etwas belegt, mal ist man entspannter, mal minimal heiser. Nehme ich also mit einem Sprecher alle Zahlworte hintereinander auf und eine halbe Stunde später die zugehörigen Sätze, wird die Sprechfärbung nicht mehr übereinstimmen.

3. Wer sich gesprochene Sprache mal aufmerksam anhört, wird feststellen, dass wir fast alle Wörter miteinander verschleifen – echte Sprechpausen zwischen Wörtern und selbst Sätzen sind selten und selbst dann hört man oft noch die Atmung. Ein aus Einzelwörtern zusammengesetzter Satz wird sich also automatisch wie „Robotersprache“ anhören, selbst wenn es Punkt 1 und 2 nicht gäbe.

Alle drei Punkte merkt bei den Texten zum „magischen Museum“ drastisch und sie stören. Das nervt um so mehr, weil die Sprecher wirklich gute Profis sind. Die Probleme wären zu umgehen gewesen und hätte tatsächlich weniger Programmierarbeit (jedoch mehr Aufnahmezeit) bedeutet.

So wie es sich jetzt anhört, beginnen alle Mitspieler nach einer Weile, die seltsame Sprechweise zu parodieren. Immerhin bis hier ist schon mal ein Unterhaltungswert gegeben, das Spiel selbst bringt ihn ja leider – noch – nicht mit.

Ich gebe dem Spiel natürlich noch weitere Chancen, sobald das Update mal da sein sollte, bis dahin nur noch dies: Die Covergestaltung der Starter-Sets ist langweilig bis furchtbar, die beiden anderen Spiele (das Quiz und die überarbeitete und das neue System angepasste Neuauflage von King Arthur) sind dem Vernehmen nach einwandfrei spielbar.

Hier ein Nachtrag zum Spiel (nicht der erste)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen