Donnerstag, 23. Oktober 2014

Soqquadro

❞Klirr, schepper, krach!❝

Da könnt ihr lange suchen –
deutsche Karten gibt es bisher nur in Photoshop
Soqquadros (englische) Regel ist im Gegensatz zu der von Dungeon Bazar aus demselben Verlag halbwegs verständlich geschrieben und das Spiel könnte in englischer Fassung auch von Deutschen mit minimalen Sprachkenntnissen gespielt werden (das Englisch der Karten ist simpel – es sind bloß Farben, Anfangsbuchstaben und simple Eigenschaften, die auf den Karten stehen; die Übersetzungen könnte man in Deutsch auch mit Permanentmarker drunterschreiben).

Die Schachtel mit einem sehr gelungenen Titelbild ist etwas größer als sie sein müsste, denn darin befinden sich bloß ein paar Spielfiguren (die kleinen „Roboter“ aus Steam Park), eine Sanduhr, etwas über 100 Karten (ohne besondere Illustrationen, denn die würden dem Spiel im Weg stehen) und ein ausgesprochen dünner Spielplan mit Punktanzeige. Zumindest der hätte gern etwas ausgefeilter sein dürfen, zum Beispiel ein gelochter Einsatz in der Spielschachtel plus Stecker, damit in der Hektik des Spiels Punktestände durch umfallende Spielfiguren nicht durcheinander geraten können.
Auch, dass der Spielplan eine einfache und eine etwas schwierigere Seite aufweist, hätte man so lösen können, aber was soll’s – es geht auch so.

Im Spiel – die deutsche Übersetzung des Titels würde in etwa Tohuwabohu oder Wirrwarr heißen – geht es darum, möglichst schnell in der Wohnung herumstehende Gegenstände zu finden, die Kriterien aufweisen, welche auf den Spielkarten vorgegeben sind. Fordert eine der etwas schwierigeren Karten zum Beispiel „K und Violett“, renne ich durch die Bude (ja, in Echt), entdecke möglicherweise in der Küche einen lila Korkenzieher, nehme ihn und lege ihn mitsamt der Karte wieder auf meinen Platz. Die Punkte, die ich für die Karte bekomme, zeige ich auf dem Spielplan an. Sofort ziehe ich die nächste Karte und suche erneut, indem ich mich wieder in der Wohnung umschaue. Karten bringen je nach Schwierigkeitsgrad mehr oder weniger Punkte. Einfache Karten geben jeweils lediglich ein einziges Kriterium vor (eine Farbe, einen Anfangsbuchstaben, eine Eigenschaft), schwierigere kombinieren zwei Dinge miteinander. Diese Sucherei machen alle Spieler gleichzeitig, und so richtig kann ich mir das in einer deutschen Durchschnittswohnung nur vorstellen, wenn man es in einem unaufgeräumten Kinderzimmer ohne wertvolle Spielsachen macht oder vor dem Spiel einen Haufen Krempel aus der Grabbelkiste auf dem Boden oder einem Tisch verteilt, wie Cranio Creations das auf der Messe und bei Spieltreffs gemacht haben – alle anderen Räumlichkeiten erfordern recht disziplinierte Spieler oder einen Gastgeber mit Nerven aus Stahl.

Dreimal im Spiel kommt es außer der Reihe zu einer Speed-Runde mit Sanduhr, wo alle das Gleiche suchen müssen und maximal nur einer Punkte bekommen kann. Immer dann, wenn die erste Spielfigur eine neue Doppel-Q-Linie überquert (Soqquadro ist wahrscheinlich weltweit das einzige Wort mit Doppel-Q), wird diese Sonderrunde eingeläutet. Es kommt in der Hektik vor, dass das vergessen wird, was aber kein Beinbruch ist.

Wer die Punktzahl 16 erreicht, beendet das Spiel. Dann wird geschaut, ob es bei den Punktzahlen mit rechten Dingen zugegangen ist (wer vergessen hat, Punkte zu markieren, hat Pech, wer sich zu viele gegeben hat, muss die Punktzahl korrigieren). Bei so einem Hektik-Spiel kein Wunder.

Schließlich zieht man pro Karte, die man vor sich abgelegt hat, weil man sie nicht erfüllen konnte oder wollte, einen Punkt ab und streitet dann lautstark darüber, ob bei der chinesischen Ming-Vase, die auf der Karte „Orange und Glatt“ steht, die vorherrschende Farbe wirklich Orange ist und ob die Vase noch als „glatt“ durchgehen kann, da sie beim Absetzen diverse Sprünge bekommen hat.

Wer am Schluss die meisten Punkte hat, gewinnt. 

Das Spiel macht zwar – wenn die Rahmenbedingungen stimmen – größeren Spaß, als man es anfangs vermutet, aber die Wohnungseinrichtung kann je nach mitspielenden Spielertypen enorm leiden, daher sagt die Spielregel eingangs auch deutlich, dass man den erlaubten Spielbereich genau abstecken soll (und diverse Regale/Schränke/Zimmer vielleicht besser für tabu erklärt und hofft, dass die Spieler sich daran halten) … Vorgesehen ist es bloß für 6 Spieler (plus 2er-Teamspiel mit bis zu 12) – ich denke aber, auch mit 8, 9 Einzelspielern könnte das noch klappen (die brauchen bloß noch eine eigene Spielfigur).

Was die Spielregel jedoch komplett unterschlägt, ist die Echtzeit-Aufräumphase: Der Krempel, den die Spieler zusammengetragen haben (bei 6 Spielern können das schnell 50 Objekte sein), muss wieder zurück an seinen Platz. Da werden aus den 15 Minuten Spielzeit gerne mal 45.

Eine deutsche Regel zum Download plus Kartenliste und eventueller Buchstabenanpassungen wird es vermutlich bald bei Cranio Creations geben, ebenso ist mit einer deutschen Ausgabe zu rechnen. Warum nur haben sie nicht sofort eine deutsche für Essen produziert? Hätte sich bestimmt verkauft).

Einstieg eher locker Recht kurze, einfache Spielregeln, ein gutes Auge und Fantasie sind gefragt. Jedoch sollte man den Spielraum gut vorbereiten (und beim Spiel draußen alle Karten, die die Farbe Grün fordern, entfernen, sonst ist der Garten bald entlaubt).

Spielreiz gut Tja, wer sich das oben gut durchgelesen hat, kommt womöglich eher zum Schluss: Für mich lieber nicht. Verständlich.




Otto-Normalspieler-Empfehlung Das Spiel gibt es zurzeit nur auf Englisch oder Italienisch. Wenn die Sprachhürde nicht stört, ist es supersimpel zu verstehen und zu spielen.



Soqquadro von Simone Luciani, Lorenzo Tucci Sorrentino und Daniele Tascini
2 bis 6 (12) Spieler
Cranio Creations, 2014

1 Kommentar:

  1. On Google Play is there the official app for Soqquadro. The interface is in English (or Italian), but you can play with cards written even in German!.
    ===
    Auf Google Play gibt es die offizielle App für Soqquadro. Die Schnittstelle ist in Englisch (oder Italienisch), aber Sie können auch mit Karten in deutscher Sprache spielen !

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