Mittwoch, 15. Oktober 2014

Mein Senf zu Essen

❞Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiß was!❝


Haha, ich gehöre zu den Eingeweihten, zu den Checkern, denen die Neuerscheinungen auf der SPIEL nur noch ein müdes Gähnen entlocken. Ich habe sie alle schon zumindest angespielt, die tausend Neuheiten … und hier bin ich, um euch davon zu künden!

Ach nee, stimmt ja gar nicht, eigentlich kenne ich bisher kaum was - und von Anspielen kann keine Rede sein. Wird ja leider auch immer seltener, dass einem Verlage ein Handmuster oder die Originalausgabe für die Übersetzung zusenden - die Spielregel und ein paar Dateien müssen reichen, um das ganze zu lokalisieren, schließlich ist ja keine Zeit und das Geld knapp.

Erste Eindrücke also:

Korrigans von Matagot (Halle 3 D-102)
Marke: gehobenes Familienspiel
hier zu lesen

Sun Tzu, von Matagot (Halle 3 D-102)
Marke: Asymmetrisches Eroberungsspiel mit verdeckter Kartenauslage
Diverse Partien der alten Version.
Tückisches Zweierspiel, im besten Sinn. Jetzt endlich in einer Aufmachung, die wirklich zum Spielen einlädt.

Room 24 2nd Season, von Matagot (Halle 3 D-102)
nicht gespielt, aber im Detail kennen gelernt
Erweiterung für Room 25, das kooperative bis konfrontative Bluff-, Erkundungs-, Paranoia- und Merkspiel unter Zeitdruck
Endlich haben die (inzwischen 8 Charaktere) Sondereigenschaften, außerdem kann man einmal im Spiel jeweils eine Zusatzaktion machen und es gibt neue Räume und Spielvarianten. Außerdem sind neue Spielfiguren für alle Charaktere dabei, die endlich wirklich dynamische Posen haben und damit noch besser unterscheidbar sind. Absolutes Muss für Fans des Spiels - und wer bislang dachte, dass bei Room 25 bisher irgendetwas fehlt, braucht es auch. Leider in Essen wahrscheinlich nur als Handmuster zu sehen, da die Lieferung sich verspätet.

Cyclades: Titans, von Matagot (Halle 3 D-102)
nicht gespielt, aber im Detail kennen gelernt
Erweiterung für Kyklades Cyclades
Ein weiterer Spieler kann mitmachen, ein neuer Spielplan liegt bei, ein neuer Gott ebenfalls, die titelgebenden Super-Soldaten sind dabei. Was kann schon schiefgehen bei einem Spiel, das europäische Spielideen mit einem Hauch amerikanischer Kriegssimulation verheiratet? Ob sich die Spieldauer durch diese Erweiterung vergrößert? Vielleicht. Das Grundspiel ist jedoch ein Eroberungsspiel mit Bietmechanismus, das man zu fünft in unter 2 Stunden mit Erklärung schafft. Das ist schon was …

Cosmic Encounter Neuauflage, von Fantasy Flight Games bzw. Heidelberger (Halle 1 B-103)
Marke: eher lockeres Vielspielerspiel (die mit Chaos und Glück leben können)
gespielt (die englische Version, zuletzt vor Jahren)
Dazu habe ich doch tatsächlich mal vor Jahren eine Übersetzung gemacht, und dann kam es doch nicht zur Veröffentlichung einer deutschen Version. Das war vermutlich eine gute Entscheidung, denn dieser Klassiker wird seit Jahrzehnten immer wieder neu aufgelegt und der Markt damals war gesättigt von einer der letzten materialtechnisch recht aufwändigen Editionen, die zuvor verramscht worden war. Die aktuelle Version von Fantasy Flight Games ist ausgesprochen üppig ausgestattet: 50 verschiedene Alienrassen (in Klappkartenform), die zum Teil haarsträubende Fähigkeiten mitbringen, die den eigentlich recht simplen Spielablauf kräftig und unterhaltsam beeinflussen. Jeder Spieler will Kolonien auf anderen Planeten gründen. Ist dort schon jemand, kommt es zum Kampf, der mittels Raumschiff(über)macht und deren Verstärkung durch ausgespielte Karten entschieden wird. Dutch (kurzlebige) Allianzen und teils die Kampfregeln auf den Kopf stellende Eigenschaften der Aliens wird das zum leicht chaotischen, aber auch psychologischen Spaß. Diese neue US-Fassung von FFG (mit hunderten Karten, schön praktisch stapelbaren Raumschiffuntertassen und einigen Varianten) hat schon mehrere Neuauflagen erlebt und kommt jetzt - völlig neu übersetzt, jedoch nicht von mir – endlich auf Deutsch heraus. Drei kleinere Makel hat sie und ich bin als einer der Lektoren nicht ganz unschuldig daran, obwohl wir viele Fehler ausmerzen konnten – die Rasse der Gespiegelten heißt dick und fett Die Gepiegelten, ein ansonsten immer bold geschriebenes Wort ist auf einer Alienkarte normal gesetzt und eine Alien-Eigenschaft ist auf einer Zusatzkarte mit einem anderen Begriff versehen worden. Das alles ist aber reine Kosmetik, beinflusst die Spielbarkeit in keinster Weise und dürfte von den meisten Pielern gar nicht bemerkt werden. Sehr empfehlenswert.

Raumstation Theseus, von Pegasus (Halle 3 M-110)
Diverse Partien der englischen Version
Marke: schwer zu beschreibendes Spiel, kommt sehr thematisch daher: kämpfe in einer Raumstation ums Überleben (und sammle Punkte), ist aber eigentlich ein abstraktes, Mancala-ähnliches Spiel mit Aktionskarten, die durch Bewegung der Spielfiguren 
ausgelöst werden.
Kann zu zweit zum Hirnverzwirner werden, zu viert ist eine Menge kaum zu überschauendes Chaos im Spiel. Die deutsche Version ist schon seit ein paar Monaten auf dem Markt und hat im Gegensatz zur englischen Ausgabe die FAQ weitgehend eingebaut - trotzdem gibt es immer wieder Kartenkombos, die zu Diskussionen führen. Ich bin hin und hergerissen. 

Co-Mix von Horrible Games (Halle 3 L-116)/Heidelberger (Halle 1 B-103)
Marke: Fantasier- und Erzählspiel mit Zeitdruck und festen Vorgaben
eine Probepartie
Richtig, richtig gut illustrierte Kärtchen mit Comic-Zeichnungen, die man zufällig zieht und daraus eine hoffentlich spannende, kohärente Geschichte zusammenbaut. Das Thema ist vorgegeben, und auf den Karten tauchen bestimmte Figuren und Versatzstücke häufiger auf, was die Assoziationen sowohl vereinfacht (das ist gut) als auch einengt (das ist eher schlecht fürs Spiel). Unter Zeitdruck legt jeder seine Story, dann erzählt man sie den anderen reihum. Mir sind dabei zwei Sachen aufgefallen:

  • Der Tonfall bei deutschen Spielern geht in Richtung simple Märchenerzählung (holprig, sprunghaft und kunstlos) - Italiener erzählen dagegen fast immer voll versaute Storys. Kaum jemand schafft es, seine Geschichte nach wirklichem Comic klingen zu lassen (in Comics reden die Figuren halt hauptsächlich). Mich stört das, obwohl durchaus verblüffende Geschichten zusammenkommen.
  • Ist man nicht der erste, der erzählt, ist man im Kopf so beschäftigt, an seiner eigenen Story den letzten Schliff vorzunehmen, dass man sich auf die Geschichten der anderen fast nicht mehr konzentriert. Diese soll man aber nachher bewerten. Es gab Varianten, die diese Probleme etwas mildern, aber ich persönlich bleibe lieber bei „Es war einmal…“.


Alte und neue Erweiterungen zu Dungeon Fighter, von Horrible Games (Halle 3 L-116)/Heidelberger (Halle 1 B-103)
Teuer, aber muss man natürlich haben, wenn man das Grundspiel mag.

Die Alchemisten von Czech Games Edition (Halle 1 D-140)/Heidelberger (Halle 1 B-103)
Marke: anspruchsvolles Vielspielerspiel, Planung und Deduktion
Ein Spiel mit Smartphone- oder Tabletunterstützung
Klang bei einer mündlichen Vorstellung zunächst hochinteressant, dann war ich verdutzt, als ich das Material gesehen und bei der Spielregelerklärung zugehört habe. Man sollte meinen, die Smartphone-App würde sich um die Verwaltung kümmern, und damit für Platz sorgen, aber nein: irrsinnige Mengen an Markern, Klötzchen und Karten, die es zu handhaben gilt, plus ein Haufen Sonderregeln, von denen meiner Meinung nach einige über Bord hätten geworfen werden müssen. Definitiv ein anspruchsvolles, funktionierendes Spiel, bei dem ich aber (wie bei vielem von CGE) das Gefühl habe, dass gleich fünf Erweiterungen fest integriert sind. Eigentlich ja nett von denen, aber mir ist das fast immer zuviel.
Nicht gespielt, daher: was weiß ich schon. Vielleicht ist es ja doch der große Wurf …

Dungeon Lords Luxus-Jubiläumsauflage (oder so) von Czech Games Edition (Halle 1 D-140)/Heidelberger (Halle 1 B-103)
Erstauflage mehrfach gespielt, kenne Details der Neuauflage
Interessantes neues Material ist dabei, ob’s sich lohnt? Anschauen.


Für den Umstand, dass die Galaxy
Trucker App tatsächlich auch auf
dem alten iPad läuft, gibt's den
Space Academy Award
im Glassturz erster Klasse. 
Galaxy Trucker iOS App von Czech Games Edition (Halle 1 D-140)
Lohnt sich – auch für Leute, die das Brettspiel nicht kennen. (Noch) billig. Kaufen. Läuft jetzt sogar auf dem ersten iPad stabil (zuvor sollte man alle anderen Anwendungen beenden), wenn auch bei mir bisher kein Ton zu hören ist. Toll gemacht, weil es erfreulich nah am Brettspiel dran bleibt, ohne die Möglichkeiten des iPads zu vernachlässigen!

Florenza (Neuauflage), von Placentia Games (Halle 3 D-146)
Marke: anspruchsvolles Vielspielerspiel, Arbeiter-Einsetz-Planung
nicht gespielt, aber im Detail kennen gelernt
Was sich in der Erstauflage noch über einen zusammenzupuzzelnden Riesenspielplan über den (hoffentlich großen) Spieltisch ergoss, ist jetzt etwas kompakter in klassischer Spielplanform. Dazu ist eine Möglichkeit gekommen, IMMER etwas mit den Arbeitern machen zu können, sowie ein paar weitere Regelergänzungen. Sehr empfehlenswert, aber auch anstrengend und zeitaufwändig.

Florenza Card Game – Erweiterung Krieg und Religion, von Placentia Games (Halle 3 D-146)
Marke: anspruchsvolles Vielspielerspiel, Planung und Kartenmanagement (kleiner Bruder von Florenza)
nicht gespielt, aber im Detail kennen gelernt
Mehr Spieler können teilnehmen (sehr gut), eine zusätzliche Kartenart ist hinzugekommen. Das Grundspiel schafft es tatsächlich, das Flair vom großen Vorbild auf ein einfacheres, schnelleres und weniger Platz (nicht allzu viel weniger) beanspruchendes Spiel einzudampfen. 

King of New York, von Iello (Halle 3 M-109)/Heidelberger (Halle 1 B-103)
nicht gespielt, aber im Detail kennen gelernt
Taktische Würfelkeilerei
Thematisch viel, viel besser als das ohnehin schon großartige King of Tokyo, denn tatsächlich sind jetzt Gebäude (in Plättchenform) vorhanden, die es zu zertrampeln gilt, das Militär macht den Monstern zu schaffen und es gibt jetzt räumlich gesehen mehr als nur rin in Tokyo, raus aus Tokyo (alle Boroughs Stadtteile von New York City sind betretbar und Manhattan ist seinerseits noch unterteilt). Außerdem gibt’s neue Würfelsymbole. Damit dürften vier Dinge klar sein: es wird den Spielern mehr Entscheidungen abverlangen, bis auf die alten Monster ist praktisch nichts von King of Tokyo hiermit kompatibel, die Regeln sind etwas komplexer als beim Vorgänger und es dürfte weiterhin eine nicht wenig glücksabhängige Monster-Gaudi sein. 

Zombie 15’, von Iello (Halle 3 M-109)/Heidelberger (Halle 1 B-103)
Echtzeit-Kooperations-Hektikspiel
Eine Probepartie
Tolles Material, tolles Thema, leidet aber am Alphamännchen-Syndrom: Einer oder zwei am Tisch überschauen die Situation besser und sagen den anderen, wo es lang geht. Fummelige Anzeigen für Munition und Leben. Gut gemachter, langsamer Einstieg in alle Detailregeln durch immer schwieriger werdende Szenarien. Nicht so meins, wird sich aber verkaufen wie geschnitten Brot.

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