Donnerstag, 18. September 2014

Game of Thrones 4D Puzzle

Links die schwankende Insel Puke, vorne das unscharfe
Casterly Rock mit der scharfen Sarah Connor
Es hilft nicht gerade, wenn man soeben die vierte Staffel Game of Thrones gesehen hat, zwischendurch das deutsche Buch Nummer vier der Serie liest, ein Szenario des Brettspiels Die Schlachten von Westeros spielt und die Blurays der Staffeln Eins bis Drei hintereinander wegkuckt … die Verwirrung ist gewaltig: Man verwechselt Personen und Handlungsstränge und stellt Verknüpfungen her, die völliger Blödsinn sind. Letzteres passiert auch, wenn man versucht, das Westeros-Puzzle der Firma 4D Cityscape zusammenzusetzen.

Im Puzzle gibt es nämlich Teile, die an zwei bis drei Kanten absolut identisch sind und auch vom Motiv her (schwarzes Meer auf schwarzem Grund) gut an mehreren Stellen passen könnten. Wer von Ravensburger-Puzzles verwöhnt ist, wird hier verzweifeln: Nicht mal der Trick, mit den glatten Außenkanten zu beginnen, funktioniert. Jemand, der behauptet, dass er die linke und untere Kante auf Anhieb korrekt zusammengesetzt hat, lügt.

Andererseits gab es ja auch mal Puzzles auf dem Markt, die genau so einen Horror zum Markenzeichen hatten: Die Abbildung eines Kieshaufens, ineinander verschlungene Würmer oder ein Berg verschütteter Zucker als Motiv und alle Teile eschermäßig passend identisch (und zwar ohne Randteile!). Bitteschön: Wer seine Freizeit am Rande der Verzweiflung verbringen möchte, darf so etwas gerne in Angriff nehmen. Dagegen ist das Westeros-Puzzle reiner Kinderkram.

Der weiße Teil oben ist schnell gepuzzelt.
Dann beginnt der Horror.
Es besteht aus drei Ebenen. Die unterste ist ein ganz normales Papppuzzle mit etwa 1.000 Teilen. Hat man es endlich fertig (die viel zu kleine Vorlage hilft nicht sehr), sieht man eine sehr hübsch gemachte Karte von Westeros, dem Kontinent der sieben Königslande, auf dem der Hauptteil der bisherigen TV-Serie spielt (der im Osten liegende Kontinent, auf dem in der Serie aktuell eine Thronanwärterin und drei Drachen ihr Wesen treiben, ist nicht abgebildet). Das Meer hat – leider nicht überall, eine mehr oder weniger starke Linienstruktur, die Kartenoptik ähnelt verblüffend den aus den Herr-der-Ringe-Büchern oder -Filmen bekannten Illustrationen. Außerdem ist sie hochdetailliert. Jedes in den Büchern erwähnte Dreckskaff ist vorhanden. Diese Karte hätte ich gerne als Poster, denn wenn man mit dem 4D-Puzzle weitermacht, ist von ihr kein Fitzelchen mehr zu sehen.

In der erstaunlich gut gefüllten, hochwertigen Schachtel liegen nämlich noch etwa 400 Schaumstoff-Puzzleteile. Leider sind die zwar komplett durchgestanzt, aber nicht besonders sauber getrennt, teilweise hängen dutzende Teile also noch zusammen, wenn man die Plastiktüte ausschüttet. Wer noch sauer über die nervige Arbeit mit dem ersten Puzzle ist, freut sich über die Arbeitsersparnis, sportlichere Naturen pflücken alle Teile erst mal auseinander und mischen sie gut durch. Die meisten dieser Teile sind so groß wie normale Puzzlestücke, einige sind jedoch deutlich größer und die enge Packung sorgt bei diesen manchmal für unschöne Knickstellen.

Der Aufzug (wie zum Geier funktioniert
der in der Serie eigentlich?) hat
„ab Werk“ gut einen Zentimeter Abstand
zur Mauer, weil er schlicht senkrecht
nach oben führt. Das gefiel mir
nicht und so musste er mittels
einer Heißluftpistole verbogen werden.
Aus den Teilen entstehen die großen Landmassen des Kontinents (der Hauptteil und drei der größeren Inseln). Die Optik des Aufdrucks (eine dünne Schicht bedrucktes Papier sitzt – bombenfest – auf dem Schaumstoff) entspricht annähernd der Karte, wie man sie im Vorspann der TV-Serie sieht.

Übrigens der einzige TV-Vorspann, den ich noch nie vorgespult habe. Nicht nur, dass die Grundidee grandios ist, die Animation und Wahl der Optik und Kamerabewegungen perfekt gewählt sind, sondern auch, dass die für die jeweilige Folge wichtigen Handlungsorte gezeigt werden. Und so gibt es alle paar Folgen kleinere Änderungen im Vorspann. Anfangs hatte ich gerätselt, warum die Karte dort auf eine Hohlkugel aufgezogen ist (ist das etwa ein dezenter Hinweis auf einen Twist, den der Autor sich hat einfallen lassen, um die seltsamen Jahreszeiten zu erklären?), aber die profane Erklärung lautet: Die Macher der Serie wussten nicht, was man am Rand der Karte zeigen sollte, während die Kamera wild darüber fährt – bei einer Karte auf einer Halbkugel gibt es dieses Problem nicht.

Ohne die Schildchen sieht’s
vielleicht doch noch besser aus
Zurück zum Puzzle: Die größeren Teile zeigen alle den schwarzweißen Grundriss eines Gebäudes – die meisten sind kleine, absolut identische sechs- oder achteckige Anwesen, ein Dutzend ist aber zum Teil riesengroß und passt nicht mal annähernd zum Maßstab der Karte. So ist King’s Landing, das in der TV-Synchronfassung Königsmund heißt (was ich aus Übersetzersicht gar nicht so schlecht finde), alleine fast so groß wie eins der Königslande. Klar, dass daher der Detailreichtum der Karte leidet. Nur noch ein Bruchteil der Orte, Landstriche und Flüsse, die auf dem unteren Puzzle zu sehen waren, sind hier abgebildet.

Aber jetzt kommt’s: Diese weißen Grundrisse lassen sich allesamt aus dem Puzzle herausstanzen und durch beiliegende, zum Teil sogar detailliert bemalte Kunststoffgebäude austauschen. Spätestens jetzt ähnelt die Karte sehr schön dem, was man aus dem Serienvorspann kennt, aber auch Betrachter, die mit der Serie noch überhaupt keinen Kontakt hatten, sind angetan.
Nur die aus Staffel eins bis vier
bekannten Orte sind hervorgehoben
– im Süden des Landes wird im Verlauf
der Serie noch einiges hinzukommen, was
hier nur mit diesen winzigen
Standardgebäuden gekennzeichnet ist

Echt schön.

Wer will, kann einige der wichtigen Schlachten und ein paar Landschaftsnamen noch durch Plastikfähnchen mit Aufkleberbeschriftung kenntlich machen. Die meisten der Landschaftsschildchen sind jedoch überflüssig, da die jeweiligen Bezeichnungen sowieso groß auf der Karte prangen. Die in der Abbildung oben zu sehenden weinroten und waldgrünen Stecker sind eigentlich knallrot und weiß – ich habe bei mir Sprühfarbe zum Einsatz gebracht.

Kleine doppelseitige Sticker liegen noch bei, um das zweite Puzzle mit dem ersten fest zu verbinden, außerdem ein ausführlich bebildertes und schön geschriebenes Beiheft, das sowohl als Anleitung dient, als auch Hintergründe zu Geografie und Handlung liefert.

Das Puzzle ist übrigens 46 mal 76 mal 5 Zentimeter groß. Wo ich gerade beim Messen bin: Wie messen Leute in einer Welt, deren Jahreszeiten unvorhersehbar lang andauern, eigentlich die Jahre?


Game of Thrones Puzzle of Westeros
für 1 ausdauernden Puzzler
4D Cityscape, 2013

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