Donnerstag, 9. Oktober 2014

Essen!

In einer Woche ist wieder „ESSEN“ (jedenfalls für unsere ausländischen Freunde; hierzulande heißt es ja teutonisch korrekt „Die SPIEL(messe) in Essen“).

Um die 140.000 Besucher, bestimmt 900 Neuerscheinungen, laute, rauschende Messehallen, kaum zu bezähmende Kauflust, obwohl sich doch die Spiele des letzten Jahrgangs zum Teil noch ungespielt im Regal stapeln. 

In manchen Jahren habe ich es tatsächlich geschafft, mit nur einer Handvoll Spiele nach Hause zu kommen (alles Belegexemplare oder Geschenke enthusiasmierter Autoren oder Verlagschefs).

Dieses Mal soll es bleiben bei Wir sind das Volk! (ein optisch reizvoll sperriges, kartengesteuertes, anspruchsvolles Zweierspiel um deutsch-deutsche Geschichte) und Dragonscroll (dem diesjährigen Spiel der schottischen Fragor-Brüder, die jedes Jahr eine mehr oder minder geheime Neuentwicklung in limitierter Auflage mitbringen; vermutlich kein großer Wurf, sondern ein niedlich ausgestattetes Familienspiel mit sosolala-Grafik).

Ein paar Belegexemplare wird es wohl auch noch geben, und bei denen freue ich mich schon auf die nahezu unausweichlichen Fehler, weil, wie fast immer bei kleineren Verlagen, unter Zeitdruck gearbeitet werden musste (egal, ob die Arbeit zwei Wochen vor Essen beginnt oder im Sommer – häufig hat man nur wenige Tage bis zur Abgabe, was faktisch oft nur Stunden entspricht).

Die Spielregeln sind nämlich das Element, das leider zu allerletzt angegangen wird und oft erhält man als Übersetzer keine fertige Version, sondern ein lückenhaftes, unverständliches Flickwerk, bei dem man den größten Teil seiner Energie im holprigen Dialog mit den Machern aufwenden muss, es überhaupt spielbar zu machen. Eigentlich sollte man einfach Nein sagen – aber so mancher kleine Verlag wäre dann pleite, denn das Essen-Geschäft ist wichtig und ein lukratives: Die Zwischen-, Groß- und besonders Einzelhändler bekommen ihren Teil vom Kuchen nicht, wenn man direkt vom eigenen Stand aus verkauft.

Was mir sonst so durch den Kopf geht:

  • Schön: Leute treffen, die man nur einmal im Jahr sieht (nämlich auf dieser Veranstaltung)
  • Doof: kaum freie Plätze zum Ausprobieren der Spiele.
  • Auch doof: Wenn ich dann mal einen Platz finde, versaut mir die Geräuschkulisse meistens jegliche Konzentration. Früher kam ich damit besser klar, aber da haben meine Augen auch noch mitgespielt – inzwischen ist nicht nur das Lesen winziger Kartentexte anstrengend geworden, nein, selbst das Erkennen grober Spielsituationen ist im Messetrubel derart höllisch für mich geworden, dass alles in mir Fliehe, du Narr! schreit und kein Speicherplatz für die Einhaltung von Spielregeln mehr frei bleibt. Wenn die Beleuchtung stimmt, geht’s allerdings einigermaßen.
  • Spannend: Ich freue mich darauf, irgendetwas Tolles zu entdecken, von dem ich bislang noch nichts gehört habe.

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