Montag, 30. Juni 2014

Yvio – Spongebob Schwammkopf Krosse Krabbe Express

❞Ich bin bereiiheiit!❝


Wer mit SpongeBob Schwammkopf auf Kriegsfuß steht, weil ihm der subversive Humor der Serie völlig verborgen bleibt oder zu platt erscheint, um die Albernheiten und das hysterische Geschrei zu ertragen, der wird das Spiel wohl nicht anfassen. Wer Spongebob jedoch mag und noch dazu auf Hektik-Spiele steht, der wird begeistert sein.

Nachdem ich kurz etwas über das Spiel gehört hatte, dachte ich: "Space Alert light". Ich lag richtig - jedenfalls irgendwie ... auch mit dem ehemaligen Space Dealer (seit 2013 als Time 'n Space erhältlich) lässt es sich ganz gut gut vergleichen.

Zwei bis vier Spieler übernehmen die Rolle je einer Figur aus der TV-Zeichentrickserie SpongeBob Schwammkopf. Jeder ist "Hamburger"(Krabbenburger)-Austräger, der vom Chef Mr. Krebbs drei Orte auf dem Spielplan genannt bekommt, an die er seine Hamburger bringen muss. Auf dem Spielplan sind 19 Orte, die man aus der Trickserie kennt, einige davon mit leicht verwechslungsfähigen Namen. Prinzipiell ist es möglich, von jedem Ort auf jeden beliebigen anderen zu ziehen. Je nachdem, wie lange der dazu benötigte Weg war, kühlen die Burger mehr oder weniger ab, was eine Anzeige auf der – separat erhältlichen – Konsole verdeutlicht. Die Länge der Wege und die korrekte Bewegungsrichtung sind auf dem Spielplan erkennbar. Vermeintlich kurze Wege können also äußerst lang sein, wenn man nicht genau hinschaut. Man tut gut daran, seine (wie gesagt: gedachte) Laufstrecke zu optimieren, ansonsten sind die Burger kalt und werden von den Kunden nicht mehr angenommen. Hat man keine Burger mehr oder nur noch kalte, kehrt man zum Restaurant zurück, wo man neue bekommt.

Ob man einen Auftrag korrekt erledigt hat, merkt man erst, wenn die Konsole berechnet hat, dass man den Ort, auf dem man steht, auch wirklich erreicht hat. Dann ertönt ein Sprachsample der eigenen Figur. Sie ist entweder verwundert, dass hier niemand einen Burger bestellt hat (es war der falsche Ort) oder teilt mehr oder weniger verschlüsselt mit, dass der Burger abgeliefert wurde (es war korrekt). In beiden Fällen sollte man seine Figur so schnell wie möglich zum nächstgelegenen Lieferort stellen.

Hat man alle Lieferaufträge abgearbeitet, nennt einem der Chef neue. Auslieferungen werden mit Pluspunkten belohnt, Lieferungen an falsche Orte mit Minuspunkten - wer 12 Punkte gesammelt hat, gewinnt die Runde. Fällt einer auf null Punkte, ist die Runde ebenfalls vorbei. Soweit, so simpel.

Interessanter wird das Ganze durch zwei Zusätze: 

Erstens: Man kann, wenn man aufpasst (oder schlicht, wenn durch glücklichen Zufall), den Auftrag eines anderen Spielers ausführen. Dafür bekommt man ebenfalls Punkte und der andere Spieler muss nun entweder seinerseits Fremdaufträge abarbeiten oder auf neue Aufträge seitens des Chefs warten.

Zweitens: Plankton - der mikroskopische Bösewicht der SpongeBob-Serie - kann sich plötzlich akustisch bemerkbar machen - gleichzeitig leuchtet für jeden Spieler eine Plankton-Taste auf der Konsole auf. Das bedeutet für alle Spieler, die eigene Spielfigur schnellstens vom Brett zu nehmen und danach auf die Taste zu drücken. Wer zu langsam ist, bekommt unter Umständen von Plankton eins "auf den Deckel", wer schnell genug ist, bekommt unter Umständen Pluspunkte.

Mehr Spieltiefe ist nicht (gut, Mr. Krebbs regt nach jeweils 5 Partien zu weiteren Partien an und verspricht eine große Überraschung - wer die Serie kennt, kann sich sicher denken, was dabei rauskommt) - aber das reicht vollkommen. Schon bei zwei Spielern ist gehörig Chaos auf dem Spielbrett, bei mehr wird es ausgesprochen hektisch und unübersichtlich (was exakt der Spielgedanke ist).

Immer wieder glauben Spieler übrigens, dass die Konsole etwas übersieht oder falsch wertet - aber bisher konnten wir jedes Mal rekonstruieren, dass der sich beklagende Spieler etwas überhört hat, bzw. einen Auftrag längst erledigt und dann einfach zu lange am Ort verharrt hat (das gibt kontinuierliche Punktabzüge).

Die Atmosphäre des Spiels stimmt genau: Man hört die deutschen Original-Sprecher der Serie, mit einer prima gelösten, nahezu nahtlosen Sprachausgabe (im Gegensatz zum früher erschienen Freibeuter hatte der Verlag das nun endlich im Griff), im Spiel gibt es für jeden Ort kurze und witzige Sätze jeder Figur, die kein Selbstzweck sind und selbst bei Wiederholung nicht nerven.
Der bei den Yvio-Spielen häufig verbogene Spiele-Skin,
der außerdem viel zu viel Licht durchlässt,
stört bei Spongebob sehr.

In wenigen Minuten kann eine Partie schon beendet sein. Merkfähigkeit, schnelle Orientierungsgabe und Beobachtung der Mitspieler, sowie Reaktionsfähigkeit zahlen sich aus. Die Spielfiguren sind astrein modelliert und bemalt, die nette, wenn auch (bewusst) unübersichtliche Grafik des Spielplans ist präzise an der TV-Serie orientiert.
Mit einer kleinen Plastikscheibe beschwert
(z.B. aus dem Spiel Niagara) und eventuell mit einer
sauber aus Transparentpapier geschnittenen Unterfütterung
wird die Spielbarkeit perfekt.

Es gibt auch ein wenig Schatten in Bikini Bottom: Die Einführungsrunden mit Erklärung quälen mit langen, ausführlichen Wiederholungen des Moderators - aber um alles kennenzulernen, ohne die Anleitung zu lesen, muss man sie über sich ergehen lassen (das normale Spiel nervt nicht - außer man hasst die TV-Serie, aber das war ja schon eingangs geklärt). Hat man das Spiel einmal gespielt, kennt man den gesamten Ablauf: Es kommt also nichts neues an Herausforderungen hinzu - lediglich an seiner eigenen Reaktionsschnelligkeit und seinem optimalen Spiel kann der Spieler noch arbeiten (die Punkte werden, wenn man das will, kontinuierlich aufaddiert - bis etwa 300 Siegpunkte). Wer den Spielplan gut kennt, hat gegenüber Neulingen drastische Vorteile (nach wenigen Partien sind aber alle Spieler erfahrungsgemäß auf dem gleichen Kenntnisstand).

Wer Hektik und Reaktion nicht mag, oder ein mieses Gedächtnis hat, oder fiese Interaktion ablehnt, der wird das Spiel hassen. Ach ja: in lauter Umgebung kann man das Spiel eher nicht einsetzen – zu sehr muss man sich auf die teils kurzen Sprachsamples konzentrieren.   


Einstieg eher locker Die Spielregeln sind extrem kurz, der Spielablauf sehr simpel. Wer mit Hektik, Reaktions- und Merkvermögen Probleme hat, der wird's wohl als anstrengend empfinden.

Spielreiz sehr gut Drei Aufträge bekommen, sich diese merken, sich blitzartig den idealen Auslieferungsweg dazu überlegen und im Idealfall noch Mitspielern schaden. Das ist es im Wesentlichen und es ändert sich im Verlauf des Spiels auch nicht. Perfekte, sich dabei mehr dem Spielprinzip als der TV-Serie unterordnende optische und akustische Gestaltung. Einfach ein sehr gutes Hektikspiel.


Otto-Normalspieler-Empfehlung Man kann selber sehr schnell die Grundzüge erklären oder das Spiel einfach machen lassen.



Spongebob Schwammkopf Krosse Krabbe Express (Yvio) von Christoph Cantzler
2 bis 4 Spieler
Public Solution Verlag, 2009

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