Montag, 18. August 2014

Finger weg!

❞Häää?❝


Nein, diese Karte kommt im tatsächlichen Spiel NICHT vor.
Ich bin der aktive Spieler und sage: „Finger weg … von dem Spiel, das keine Fragen stellt.“

Dann sage ich: „Trivial Pursuit, Cranium, Privacy, Bezzerwizzer, Finger weg!, Collector, A La Carte, Buzz it.“

Die Spieler denken nun: „Aha, wir sollen die 7 Spiele finden, in denen Quizfragen vorkommen und das Spiel vermeiden, in dem KEINE Quizfragen vorkommen!“

Jedenfalls denken sie das theoretisch.

In der Realität denken die meisten nämlich: „Häää?“

Das legt sich erst bei der dritten oder vierten Fragekarte, die vorgelesen wird. Dann fluppt es normalerweise gut (wenn man zusätzlich mit meiner Lösung das technische Manko des Spiels behebt, wie ich das nach dem „Weiterlesen“ zeigen werde).

Finger weg dreht das Multiple-Choice-Prinzip der üblichen Quizshows um. Hat man sonst vier oder mehr Antwortmöglichkeiten und muss die eine richtige finden, werden hier gleich acht Möglichkeiten präsentiert, von den immer sieben korrekt sind und eine falsch ist. 

Der aktive Spieler zieht eine Karte aus einem der Fragebereiche, von dem er glaubt, dass er sich nicht zu sehr blamiert (z.B. Geografie, Sport und Spiel, Geschichte …). Die Fragen sind allerdings derart abgehoben, dass man sich fast nie sicher sein kann, die richtigen Antworten zu kennen. Das ist kein Nachteil, sondern macht Spaß!

Nun schiebt er die Karte, ohne sich ihre Vorderseite anzusehen, in eine Kunststoffhalterung (und sichert alles mit dieser Vorrichtung, die aus einem form- und farbschönen Haargummi besteht und bei mir gegen Porto und einen kleinen Unkostenbeitrag geordert werden kann) und dreht das ganze um. Ohne Sicherung rutscht die Karte leicht aus der Halterung und gibt dann leider den gesuchten zu vermeidenden Begriff preis.

Auf der Karte sieht der Spieler nun eine Frage, die oftmals in einer Art doppelter Verneinung ausgeführt ist und daher schwer verstanden wird, jedenfalls bis man das Prinzip erkannt hat. Zur Frage liest er noch die acht Antwortmöglichkeiten vor, bevor er sich für eine davon entscheidet und diese bekanntgibt. Sagen wir mal, er würde vom obigen (von mir frei gephotoshopten) Beispiel „Trivial Pursuit“ nehmen.

Jetzt müssen die anderen Spieler tippen (oder wissen), ob Trivial Pursuit ein Spiel mit Fragen ist oder nicht. Entsprechend legen sie einen Spielstein auf den Tisch (halten ihn aber mit der Hand verdeckt). Wenn sich alle entschieden haben, decken sie die Spielsteine auf. Natürlich weiß jeder am Tisch, dass Trivial Pursuit ein Quizspiel ist, also haben alle die Steine mit der leeren Seiten nach oben ausgelegt.

Jetzt betätigt der Fragesteller einen kleinen Schieber neben seiner gewählten Antwortmöglichkeit. Das dahinter sichtbare Feld der Karte ist leer, also war die Antwort korrekt und er gibt den Halter weiter an seinen Nachbarn. Alle Spieler nehmen ihre Steine zurück.

Der neue Spieler entscheidet sich nun für eine Antwort. Er sagt „Privacy“. Alle anderen tippen erneut. Diesmal hat ein Spieler geglaubt, dass Privacy kein Quizspiel ist, sein Stein zeigt ein Elektroblitzsymbol. Der aktive Spieler öffnet den Schieber, und das Feld ist erneut leer. Der Blitz-Spieler hat also daneben gelegen. Interessanterweise bekommt er dafür Pluspunkte, die (leider) auf einem Block notiert werden müssen (eine Punkteleiste hätte noch gut in die Schachtel gepasst). Er bekommt so viel Pluspunkte, wie bisher Schieber geöffnet wurden, im Beispiel also 2. Außerdem nimmt er an der laufenden Runde nicht mehr teil.

Der nächste Spieler bekommt die Halterung. Er kennt sich bei Spielen nicht so dolle aus und denkt, dass der Titel A La Carte wohl eine subtile Anspielung auf die Fragekarten dieses Spiels sein muss. Also sagt er „A La Carte“. Fast alle anderen Spieler (echte Spielekenner halt) legen nun ihren Stein mit dem Blitzsymbol raus, bis auf einen.

Der Schieber wird geöffnet – und siehe da: „A La Carte“ ist der „Finger weg!“-Begriff (ein kleiner Blitz hinter dem Fenster offenbart das). Der Spieler, der geglaubt hat, dass dies noch ein korrekter Begriff ist, geht leer aus, ebenso der aktive Spieler. Alle anderen, die den Stein mit Blitzsymbol vor sich liegen haben, erhalten 10 Punkte. Einer beschwert sich noch, dass genau genommen auch in Finger weg!“ keine Fragen gestellt werden, aber das interessiert die anderen Spieler nicht (vor allem, weil das obige Beispiel nicht im tatsächlichen Spiel zu finden ist – solche Zweifelsfälle sind uns bisher noch nicht untergekommen). 

Nun wird eine neue Karte gewählt usw. … so lange, bis so viel Karten wie Spieler teilnehmen durchgespielt wurden. Der mit den meisten Punkten wird Sieger.

Die Idee ist großartig, die ausgewählten Fragen ganz schön knackig und die Punktevergabe erfordert Zockerei. Wenn ich keine Ahnung habe, wann steige ich aus? Wenn ich jedoch Ahnung habe, wie verwirre ich durch gut gespieltes Dummgelaber die Mitspieler? Die Verblüffung/Schadenfreude ist groß, wenn sich eine als sicher geglaubte Antwort als Missgriff erweist und die Diskussionen am Tisch machen Spaß. Zoch hat dem Spiel ein Antwortheftchen beigelegt in dem zu jeder der 400 Fragen eine ausführliche Erläuterung abgedruckt ist. Das ist löblich und notwendig, denn bei vielen der Karten gibt es nach der Auflösung Nachfragebedarf bei den Spielern. 

Ein bisschen Schatten ist auch dabei: Die zu lockere Kartenhalterung wurde bereits mehrfach bemängelt (ich weise noch einmal auf meine bestellbare Lösung hin). Die Kartenformulierungen erscheinen zunächst unglücklich, was aber bald keine Rolle mehr spielt, bzw. als Prinzip erkannt wird. Die Punkteverteilung ab Antwort 7 muss verstanden werden, was auch keine große Hürde ist. Die praktisch kaum vorhandene Wiederspielbarkeit der Karten ist ein notwendiges Übel. Allerdings bieten 400 Karten bei 4 Spielern bereits auf jeden Fall 100 Partien. Wer schafft denn heute noch so viel mit einem einzigen Spiel? Vielleicht bringt Zoch ja neue Kartensets heraus. Platz in der Schachtel wäre jedenfalls mehr als genug.   

Einstieg eher locker Die Spielregeln sind kurz (und nach ein paar Ermahnungen versteht jeder am Tisch auch die doppelten Verneinungen), die Spieldauer ist kurz, mit ein bisschen Halbwissen kann man trotzdem ganz gut Punkte machen (oder auch verzocken).

Spielreiz sehr gut Mal von der leicht rausrutschenden Karte abgesehen und der vielen Luft in der übergroßen Schachtel ist das ein Quizspiel, das alle Spieler fast ständig beteiligt, sehr überraschende Fragen mitbringt und bei dem nicht immer die Leute mit der besten Allgemeinbildung gewinnen.


Otto-Normalspieler-Empfehlung Man kann sofort loslegen und muss nur bei den ersten drei, vier Karten die Aussage eventuell umformulieren, damit niemand etwas missversteht.



Finger weg! von Peter Wichmann
3 bis 8 Spieler
Zoch, 2013

1 Kommentar:

  1. Beim gestrigen Spiel mit "Finger weg!" passierte zweimal seltsames mit der Halterung: Die Karte klemmte genau so bombenfest (ohne Gummiband!) wie sie sollte. Offenbar hat man sich beim Verlag also tatsächlich Gedanken um den korrekten Sitz der Karte gemacht, aber durch eine Fehlkonstruktion der Halterung "trifft" die eingeschobene Karte nicht immer die "Klemme".

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