Montag, 28. Juli 2014

Chef’s Dinner Party

❞Wo ist der Verlag, der’s rausbringt?❝


Nur ein handgemachter Messe-Prototyp
Es war 2008, als eine Gruppe junger Japaner einen Messestand auf der Essener SPIEL gemietet hatte, und dort zwei Spiele vorstellte.
Der Messestand war ungeheuer improvisiert, ebenso das Material, aus dem die Prototypen bestanden. Soweit ich verstanden hatte, war das Spiel, um das es hier geht (zum anderen kann ich nichts sagen), als Lernspiel für Kinder konzipiert und wurde bei einem studentischen (?) staatlich geförderten Projekt als Lernmittel bei Ausstellungen und in Museen verwendet. Außerdem suchten die Macher einen Partnerverlag zur Veröffentlichung als Brettspiel. Besonders proaktiv umtriebig waren sie auf der Messe nicht gerade und haben auch noch einen großen PR-Fehler bei der Gestaltung gemacht. Ich stellte zwar den Kontakt zu Spieleverlagen her, aber bislang kam es zu keiner Veröffentlichung. Was schade ist, denn das Spiel hätte eine Verschachtelung wirklich verdient.

Wir sind in Chef's Dinner Party abwechselnd der Chefkoch, der mit einer großen Kelle Zutaten (bunte Holzklötzchen) aus dem Kühlschrank (einem Behälter) schaufelt und in eine Schüssel gibt. Die Zutaten sind Bestandteile der idealen Ernährungspyramide (wenig Kohlenhydrate und Fett, ein bisschen mehr Eiweiß, viel Obst und Gemüse ... man kennt das ja aus dem Unterricht und diversen Frauenzeitschriften).

Jeder der Spieler hat zufällig einige Rezepte gezogen, zu deren Zubereitung“ bestimmte Mengen dieser Zutaten nötig sind. Jeder wählt reihum ein Rezept aus seiner Hand aus, zu dem die notwendigen Klötzchen in der Schüssel liegen, und legt dieses Rezept (ein runder Pappteller) mit den entsprechenden Klötzchen darauf auf einen Platz auf einem großen Drehteller. Das wird reihum so lange wiederholt, bis alle Spieler zwei Teller abgelegt hat oder passen muss, weil in der Schüssel keine Zutaten mehr sind, die für seine Rezepte nötig sind.


Jedem, der's probiert hat, schmeckt's
Nun ist es wieder der amtierende Chefkoch, der den Drehteller so ausrichtet, dass vor jedem Spieler bis zu zwei Teller landen, die dann aufgegessen werden. Dabei wird er peinlich darauf achten, dass vor allem er selber die Nahrungsklötzchen bekommt, die er zum Auffüllen seiner Nahrungspyramide braucht. Vor jedem Spieler liegt nämlich eine solche, die man idealerweise lückenlos und ohne Überschüsse füllen soll.

Es gibt neue Rezepttellerchen für jeden, der Chefkoch wechselt, die unbenutzten Zutaten gehen (igitt) in den Kühlschrank zurück und der Ablauf wiederholt sich.

Das Ganze ist eine flotte, familientaugliche, taktisch nicht ganz banale Sache, die Spaß macht, und bei das belehrende Element zwar vorhanden, aber völlig schnuppe ist (in etwa so, wie auch bei guten Partyspielen die Wertung völlig egal sein sollte, aber dennoch funktioniert). Großartig ist das entspannte nimm mal eine ordentliche Schaufel voll Holzklötzchen (ob das der überkorrekten deutschen Spielerseele nahezubringen ist?) und das böse Ausrichten des Drehtellers (wie schanze ich mir optimales Essen zu, und wie schade ich gleichzeitig meinen Mitspielern möglichst gut).

Es gewinnt natürlich derjenige, dessen Ernährungspyramide bei Spielende (alle Rezepte sind verbraucht) möglichst optimal gefüllt ist. Lücken und Überschüsse sind je ein Minuspunkt.

Beim Handmuster auf der SPIEL war zwar das exotische Element vorhanden (alle Rezepte waren typische japanische Gerichte, auch der Drehteller erinnert an asiatische Esskultur), wurde aber gleichzeitig auch wieder zunichte gemacht durch europäisches Besteck, das neben jedem Tellerplatz lag. Leider zeigt dieser Missgriff auch eins der Probleme des Spiels deutlich auf: Betont man den asiatischen Aspekt, passt der Lerneffekt (mit einer typisch europäischen Nahrungspyramide) nicht mehr so richtig.
Ich würde ja einfach sagen: pfeif drauf – das Spiel macht einfach Spaß!

Andere Probleme wiegen vielleicht schwerer: Lediglich konzipiert für drei oder vier Spieler ist eine arge Einschränkung, ein funktionierender Drehteller plus Behälter Kühlschrank plus Behälter Schüssel plus Kelle werden teuer und die Unmengen an bunten Klötzchen sind auch nicht gerade billig.

Klar gibt es für andere Spielerzahlen denkbare Abhilfen, und auch herstellungstechnisch kann man das alles in den Griff bekommen. Fehlt nur noch der Verlag, der's macht. Einen Kontakt könnte ich vermutlich noch herstellen, den Messeprototyp besitze ich noch.


Natürlich haben die Jungs (und die ausgesprochen attraktiven Mädels) es 2008 auch beim Hippodice-Wettbewerb eingereicht. Dort ist es in der Vorrunde rausgeflogen, was zu erwarten war. Bei diesem Autorenwettbewerb haben lockere Familienspiele, wenn man sich die Preisträger so ansieht, eher die Chancen eines Schneeballs in der Sonne. Vielleicht fiel es aber auch durch, weil es zuvor bereits auf der SPIEL (und eben in Japan) zu sehen war. Ich bin nicht so im Bilde, wie die Einreichungsvorschriften beim Wettbewerb 2008 waren.

Na, will es ein Verlag wagen?


Einstieg eher locker Die Spielregeln sind kurz und intuitiv, die Taktik überfordert nicht und ein Spiel ist nach 30 Minuten (höchstens) vorbei.

Spielreiz sehr gut Das Spiel spricht mich in allen Belangen extrem gut an. Für das, was es sein will, finde ich es rundum gelungen.

Otto-Normalspieler-Empfehlung Wenn das Spiel in dieser Form bereits erhältlich wäre, könnte man es bedenkenlos empfehlen. Man bekommt es aber leider nirgendwo.

Chef's Dinner Party von NN

3 oder 4 Spieler
Manabi Asobi Games, 2008

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