Montag, 23. Juni 2014

Takenoko

❞Das Beet muss erst bewässert werden!❝


Vorneweg: Takenoko ist in seinem Kern nix neues, sondern eine echt breit getretene Spielidee: Sorge durch deine Aktionen dafür, dass sich auf dem Spielplan ein bestimmtes Muster ergibt, für das du Punkte erhältst. Ich kenne viele solcher Spiele, die meisten davon finde ich ungeheuer öde ... warum also gefällt mir Takenoko trotzdem so gut (für ein Familienspiel), dass ich mir davon sogar die teure Riesenausgabe zugelegt habe?

Takenoko "versteckt" seinen banalen Spielmechanismus hinter einer Fülle an kleinen, thematisch stimmigen Ideen und Abläufen, die (mir) einfach Spaß machen. 

Die Spieler steuern mit ihren Aktionen einen Gärtner (der Bambus auf verschiedenfarbigen Beeten anpflanzt und zum Wachsen bringt) sowie einen verfressenen Pandabären (der diesen Bambus wieder wegfuttert). Außerdem arbeiten sie gemeinsam daran, den Bambusgarten überhaupt erst anzulegen: Sechseck-Beet für Sechseck-Beet wächst der Garten heran.

Wenn man am Zug ist, möchte man ungeheuer viel tun, hat aber nur zwei Aktionen zur Verfügung. Es gilt, diese so sinnvoll wie möglich einzusetzen, um damit Siegpunkte einzufahren, was aber auch den anderen Spielern helfen könnte. Da nur auf bewässerten Beeten Bambus wächst, muss man sich gelegentlich auch um die Weiterverzweigung eines Kanalsystems kümmern, das Beete mit Wasser aus dem zentralen Teich versorgt.


Siegpunkte erhält man für die Erfüllung von Karten aus drei verschiedenen Aufgabenbereichen, die man verdeckt erhält. Da gilt es, bestimmte Beetformen im Garten zu haben oder es müssen eine oder mehrere Bambuspflanzen bestimmter Farbe und Höhe im Garten vorkommen oder man muss Bambusabschnitte bestimmter Farben (durch den Panda) gefressen haben. Wer eine bestimmte Anzahl dieser Aufgabenkarten als erfüllt vor sich ablegen kann, läutet die letzte Spielrunde ein. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten (einfach zu erfüllende Karten bringen weniger Punkte) gewinnt.

Das ist die Riesenausgabe des Spiels.
Ja, die Spielkarten links haben normale Größe und
nein, sie passen nicht mit Schutzhüllen in
die Schaumstoffeinlage
(man muss die Öffnung selber vergrößern).
Das macht Spaß, sieht toll aus (man muss einen großen, gut bewachsenen Bambusgarten mal "in Echt" auf dem Tisch gesehen haben), bietet einen nicht unerheblichen Spannungsbogen bei angenehmer Spieldauer. Ziemlich viel Glück ist natürlich im Spiel. Wer nur punktschwache oder kaum zu erfüllenden Karten auf die Hand bekommt, hat das Nachsehen. Zielgerichtetes destruktives Spiel (um den Mitspielern bestimmte Möglichkeiten zu versauen) ist nicht möglich, da die Aufgaben verdeckt gehalten werden – ja, es kann sogar vorkommen, dass man unabsichtlich eine Situation auf dem Spielfeld schafft, die einem Mitspieler Punkte bringt. Ich finde das für ein Familienspiel jedoch völlig okay und durchaus spaßfördernd. 


Was dem Spiel eigentlich Abzüge bringen müsste, sind Regelunschärfen bzw. Regelbesonderheiten, die einem intuitiven Spielfluss im Weg stehen. Zwei seien hier genannt, die gerne übersehen werden: 

1. Nur bewässerte Beete bringen Punkte bei den Gärtner-Aufgabenkarten!
2. Bewässerungskanäle werden immer auf die Kante zwischen zwei Beeten gelegt (sie dürfen also nie auf den Rand des Spielfelds gelegt werden)! 

Außerdem stand in allen Sprachen der Erstauflage (außer Französisch), dass man bei der Aktion "drei Beete nehmen, eins auswählen und zwei zurücklegen" die beiden nicht gewählten Beete oben auf den Stapel zurücklegen sollte. Das funktioniert zwar auch und birgt sogar ein paar spielerische Kniffe, vom Autor gedacht ist aber, sie unter den Stapel zu legen.


Ich sage trotzdem, dass Takenoko ein sehr gutes Spiel ist, weil sogar diese falsch gespielten Details das Spiel nicht umkippen lassen (siehe z. B. Punkt 2 und Will Wheatons Takenoko-TableTop-Episode) und dem Spaß keinen Abbruch tun.


Einstieg eher locker Wenn man die Spielregeln einmal verstanden hat (sie bergen leider einige Tücken für Gelegenheitsspieler), fluppt das Spiel gut und hat eine recht kurze Spieldauer.

Spielreiz sehr gut Für ein Familienspiel hat es die richtige Mischung aus Glück, Taktik, Interaktion und reizvollem Spielmaterial. Gemeinsam bauen, jeder für sich Punkte machen. Die Regeltücken müssten es eigentlich abwerten, das wird aber durch die tolle Ausstattung (auch in der kleinen Normalversion) und die "Robustheit" des Spielablaufs wieder wettgemacht (Regelfehler verzeiht das Spiel).

Takenoko von Antoine Bauza
2 bis 4 Spieler
Matagot, 2011

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