Montag, 9. Juni 2014

20.000 Meilen unter dem Meer


❞So tief kann man gar nicht sinken!❝


20.0000 Meilen unter dem Meer? Die Nautilus, das von Verne erfundene, hundert Meter lange, silberglatte Unterseeboot taucht im Roman also 20.000 Meilen tief. Wie bitte? Auf unserem Planeten gibt’s keine Stelle im Meer, die tiefer als zwei bis sieben Meilen ist (kommt halt drauf an, welche „Meile“ gemeint ist). Nicht mal, wenn es durch den Planetenkern tauchen könnte, wie gewisse Film-U-Boote, käme man auf diese Strecke. Mann, hat mich das als Kind aufgeregt. Aber ich war schon damals gewohnt, dass Drehbuchautoren und Redakteure eine Galaxie nicht von einem Sonnensystem unterscheiden können und Lichtjahre oder Parsec für Zeiteinheiten halten, und so dachte ich mir nichts weiter dabei.

Der deutsche Titel von Jules Vernes „Vingt mille lieues sous les mers“ hieß vor Urzeiten tatsächlich mal absolut korrekt und wörtlich übersetzt auf deutschen Buchtiteln  20.000 Meilen unter den Meeren. Es ist also die Gesamtstrecke gemeint, die das U-Boot im untergetauchten Zustand in der Romanhandlung zurücklegt (80.000 Kilometer, kreuz und quer über alle Weltmeere). Auch den irreführenden, sicher von einem aus dieser fürchterlichen Lektoren-/Redakteursbrut glattgebügelten Titel KANN man so verstehen, jaja …

Wie auch immer, ich mag den Roman, ich mag die fast gruselig akkurate Beschreibung eines Atom-U-Boots und ich liebe die Nautilus aus dem Disney-Film – sie hat zwar mit Jules Vernes Idee nicht viel zu tun und ist technisch gesehen totaler Unfug (Verne hätte sich bestimmt geärgert), aber aus künstlerischer Sicht ein Geniestreich.

Das Spiel 20.0000 Meilen unter dem Meer orientiert sich sehr an der Romanhandlung und an der Buchversion des Bootes. Steht es aufgebaut auf dem Tisch, kann man nur staunen. Damit enden die positiven Aspekte aber leider auch schon.


Uns so sieht das Spiel aufgebaut aus.
Och nö, ich hatte dann doch keine Lust mehr, es für’s Foto
extra noch einmal zusammenzusetzen.
Die Spielregel funktioniert insofern, als dass man nach ihrer Anweisung die eindrucksvolle Konstruktion des U-Boots in seiner in mehreren Achsen dreh- und schwenkbaren Konstruktion hinbekommt. Das Spiel anschließend korrekt zu spielen, ist mit der Anleitung jedoch unmöglich, da einige Details der Spielkartenhandhabung im Unklaren bleiben (in jeder Sprache).

Das tut aber nichts zur Sache, denn egal wie man die entsprechenden Regeln auslegt, es bleibt ein ziemlich mäßiges, kaum steuerbares (sic!) Plättchensammelspiel.

Im Kern bietet man mit Karten um die Spielreihenfolge, steuert mit Karten die Ausrichtung der Nautilus-Spitze, die dann im Idealfall auf eines der begehrten Plättchen zeigt, die es zu sammeln gilt. Die Plättchen müssen zuvor recht mühsam vor jeder der drei Spieletappen herausgesucht und nach einem bestimmten System auf den Spielplan gelegt werden: Immerhin, durch diese gesteuerte Auslage kann man, mit etwas Fantasie, Schlüsselstellen des Romans in ihrer korrekten Reihenfolge wiederentdecken.

Man sammelt ergatterte Plättchen auf seinem Tableau (auch hier muss man für eine hohe Punktzahl eine vorgegebene, der Romanhandlung entsprechende Reihenfolge einhalten), kann sie mit bestimmten Aktionen noch umsortieren und erhält am Schluss dafür Punkte.

Das ganze ist schwer glücksabhängig (je mehr Leute mitspielen, desto schlimmer), insbesondere, wenn man mit der Variante spielt, einen Teil der Plättchen verdeckt auszulegen – und schon nach der ersten Etappe wird’s langweilig, weil einfach keine Abwechslung ins Spiel kommt. Was in einer bestimmten Spielsituation der sinnvollste Zug ist, ist schnell klar und trivial – wer das nicht so schnell erkennt, wird den Spielablauf durch Probieren und Grübeln jedoch aufhalten.

Klar, das Spiel funktioniert irgendwie, aber es fehlt auch irgendetwas. Die schlechten Noten, die es fast überall bekommen hat und der Umstand, dass es vor ein paar Jahren verramscht wurde, sind ein deutliches Zeichen für: Finger weg. Schade drum.


Einstieg eher locker Wenn man die Spielregel verstanden bzw. interpretiert hat (was nicht so einfach ist), ist der Spielablauf flott und relativ simpel, wenn auch ein bisschen fummelig durch die dünnen Plättchen.

Spielreiz, nein, lieber nicht Irgendwo steckt da ein gutes Spiel drin. Anstatt danach zu suchen, sollte man sich aber lieber besseren Spielen zuwenden.


20.000 Meilen unter dem Meer von Arthur Tebbe
2 bis 5 Spieler
University Games, 2009

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