Montag, 27. Januar 2014

Can't Stop

❞Sieben geht ja immer.❝


Ein echter Klassiker, der alle Jahre wieder und von unterschiedlichen Verlagen aufgelegt wird, manchmal seltsam thematisch abgewandelt, aber für mich nur in der ursprünglichen Stoppschildform auf den Tisch kommen darf.

Der Autor Sid Sackson bringt bei Can’t Stop (für die 2,3 % der Leser, die des Englischen nicht so mächtig sind: es bedeutet „kann nicht aufhören“ und beschreibt präzise das Spielgefühl) die Wahrscheinlichkeiten beim Wurf von zwei normalen Würfeln auf den Punkt:

In der Theorie würde bei 36 Würfen mit zwei Sechsseitern je zwei ein Mal die 2 und die 12 fallen, je drei zwei Mal die 3 und die 11, je vier drei Mal die 4 und die 10 und so weiter, bis zur 7, die gleich sechs Mal fallen würde. In der Theorie.

Praktisch sind Würfel natürlich nicht vorhersagbar, außerdem würfelt man immer gleich mit vieren davon. Aus diesen vier Würfeln bildet man nun zwei Paare und muss deren beide Summen, also zwei Zahlen zwischen 2 und 12 mit einem neutralen Stein auf dem Spielbrett markieren. Nun würfelt man erneut mit allen vier Würfeln oder stoppt. Wer stoppt, tauscht die neutralen Steine mit Markierungssteinen in seiner Farbe aus und der nächste Spieler ist an der Reihe. Neutrale Steine gibt es drei, also kann man in einem Durchgang maximal drei unterschiedliche Zahlen markieren, natürlich auch solche, wo schon ein eigener Stein steht (der Markierungsstein kommt dann eben aufs nächste Feld dieser Ziffer).

Zu jeder Ziffer gibt es nämlich eine ganze Reihe Felder, und wer mit drei seiner Farbsteine ans Ende von drei verschiedenen Reihen kommt, gewinnt. So lange noch kein Stein das Ende einer Reihe erreicht hat, darf jeder Spieler Farbsteine in diese Reihe stellen. hat aber ein Spieler das Ende einer Reihe erreicht, ist diese Ziffer für den Rest des Spiels tabu. Außerdem sind die Reihen verschieden lang. Die 12, die ja ausgesprochen selten fällt, muss man lediglich drei Mal im Spiel erzielen, um diese Reihe „dicht“ zu machen, die 7 dagegen braucht man ganze acht Mal!
Die Steine dieser Ravensburger-Ausgabe
sind toll durchdacht - bis auf die drei
weißen, die Leuten mit trockenen
Fingern immer wieder aus selbigen
rutschen. Feilt man aber eine
umlaufende Rille rein, geht’s.

Das Problem liegt darin, rechtzeitig aufzuhören und sich gleichzeitig nicht zu verzetteln. Wenn man in einem Durchgang die drei neutralen Steine bereits auf drei Ziffern stehen hat, kann jeder folgende Wurf das Aus bedeuten (wenn man in einem Wurf nicht mindestens ein Würfelpärchen bilden kann (also entweder einen neutralen Stein ein- oder weitersetzen), verfallen alle in diesem Durchgang gemachten Fortschritte. Das ist am Anfang einer Partie noch überschaubar (da kann man sogar noch auf Nummer Sicher spielen), später, wenn die ersten Ziffernreihen bereits komplett absolviert wurden, kann bereits der erste Wurf ungültig sein.

Der Nervenkitzel, wider besseres Wissen doch noch einmal mehr in seinem Zug zu würfeln (obwohl man bereits fünfmal hintereinander die 5 und die 11 erzielen konnte, und man keine andere Zahl mehr zur Auswahl hat), ist hoch, Spaß und Schadenfreude ebenfalls. Wer nur sichere Spielzüge macht, wird (mit einiger Wahrscheinlichkeit, höhö) nicht gewinnen, wer Zockerei nicht mag, dem Spiel nichts abgewinnen können.


Einstieg eher locker Die Regeln sind superkurz, die Wahrscheinlichkeiten schnell begriffen, da ja doch banal, eine Partie ist normalerweise fix vorbei.

Spielreiz sehr gut Es macht riesigen Spaß (meistens den Gegnern), wider besseres Wissen doch noch einmal und noch einmal zu würfeln. Auch die vielen Neuauflagen sagen deutlich: sehr gut.


Otto-Normalspieler-Empfehlung Man kann nach etwa 1 Minute Erklärung loslegen.



Can't Stop von Sid Sackson
2 bis 4 Spieler
Diverse Verlage, seit 1980

Kommentare:

  1. In der Theorie würde bei 36 Würfen mit zwei Sechsseitern je zwei Mal die 2 und die 12 fallen, je drei Mal die 3 und die 11, je vier Mal die 4 und die 10 und so weiter, bis zur 7, die gleich sechs Mal fallen würde.

    ... naja. Diese Theorie stimmt so nicht. Gängiger ist:


    In der Theorie würde bei 36 Würfen mit zwei Sechsseitern je EIN Mal die 2 und die 12 fallen, je ZWEI Mal die 3 und die 11, je DREI Mal die 4 und die 10 und so weiter, bis zur 7, die gleich sechs Mal fallen würde.

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    1. Das ist nicht nur "gängiger" - sondern völlig korrekt!

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